Erfolgsfaktoren in der Beratung

„Die persönliche Beziehung ist am wichtigsten!“ – Erfolgsfaktoren der Unterstützung von Müttern mit Migrationshintergrund aus Projektsicht

„Stark im Beruf“ bietet Müttern mit Migrationshintergrund, die sich beruflich weiterentwickeln wollen, individuelle Beratungstermine und Gruppenangebote zur Arbeitsmarktorientierung. Die Angebote stärken die Frauen in ihrem Arbeitswunsch und ihrer Zuversicht, es wird eine persönliche Beziehung aufgebaut und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ermöglicht. Einen wichtigen Beitrag leisten Betriebsbesichtigungen.

Das Projekt „Stark im Beruf“ im FLAKS – Zentrum für Frauen in Hamburg-Altona macht anschaulich, wie sich individuelle Wertschätzung und Begleitung in beruflichen Erfolg übersetzen lässt. Für Serpil Kurukavak-Volkland von FLAKS ist klar, welcher Aspekt ihrer Arbeit den ratsuchenden Müttern mit Migrationshintergrund am meisten hilft: „Die persönliche Beziehung ist am wichtigsten!“ Die Frauen müssten spüren, dass man sich wirklich für sie interessiere.

Erfolgsfaktoren in der Beratung sind für das Projekt:

Serpil Kurukavak-Volkland beobachtet häufig, dass es den Teilnehmerinnen des Projektes an Selbstbewusstsein fehlt, da sie beruflich entweder gar nichts oder schon lange nichts mehr gemacht haben. Die Frauen erlebten nur selten Wertschätzung, ihre Leistungen und Kompetenzen würden vielfach nicht wahrgenommen. „Eine Teilnehmerin hat mir direkt gesagt: ‚Ich habe schon an vielen Angeboten teilgenommen, aber ich habe immer das Gefühl gehabt, nur eine Nummer zu sein. Ich will ernst genommen werden, denn ich will wirklich arbeiten.‘ FLAKS hat die individuelle Begleitung zum Grundprinzip der Förderung erhoben. „Es ist immer wieder der Fall, dass Frauen zu FLAKS kommen und im Erstgespräch berichten, dass sie im Leben eigentlich nichts geschafft hätten. Meistens bitte ich diese Frauen dann, mir zu erzählen, was sie schon alles gemacht haben. Dazu zählt auch, dass sie Kinder erzogen haben und dass sie den Haushalt führen. Viele staunen über die lange Liste an beruflich relevanten Fähigkeiten und Kompetenzen, die ich ihnen nach dem Gespräch zeige.“

Um Frauen erfolgreich begleiten zu können, steht Serpil Kurukavak-Volkland jenseits der Beratungstermine und Veranstaltungen in Kontakt mit den ratsuchenden Frauen: „Über mein privates Smartphone können mir die Frauen WhatsApp-Nachrichten schicken. So kann ich bei wichtigen Fragen kurzfristig reagieren und auch direkt nachfragen, wenn eine Teilnehmerin beispielsweise einen Termin verpasst hat. Das ist gerade in der Anfangszeit enorm wichtig.“ Ein solch hohes persönliches Engagement ist ein zusätzliches Plus, das nicht bei jedem Projekt vorausgesetzt werden kann.

Ein wichtiger Kooperationspartner von FLAKS ist das Jobcenter Hamburg, betont Serpil Kurukavak-Volkland. Das Jobcenter unterstützt vor allem bei der Teilnehmerinnengewinnung. Zu Beginn der Zusammenarbeit hat FLAKS eine Informationsveranstaltung zum Projekt mit Beteiligung des Jobcenters organisiert. Auch Gespräche der FLAKS-Beraterinnen mit Jobcenter-Mitarbeiterinnen und -mitarbeitern an verschiedenen Standorten haben stattgefunden, um diese über das Projekt zu informieren. Um das Projekt bekannt zu machen, sind neben den Arbeitsvermittlerinnen und Arbeitsvermittlern insbesondere auch die Gleichstellungs- und Migrationsbeauftragten der Jobcenter wichtige Ansprechpersonen.

Die Beteiligung an kontinuierlichen Netzwerktreffen wie dem „Runden Tisch Wiedereinstieg“, regionalen und lokalen Bildungskonferenzen sowie mit dem Sozialraumteam ermöglichten Kontakte zu anderen Bildungsträgern, zur Volkshochschule Hamburg und zu Migrationsselbsthilfeorganisationen, die Deutschsprachkurse und berufsbezogene Qualifizierungen anbieten. FLAKS hat zudem Kontakte zu Unternehmen verschiedener Branchen – vom Einzelhandel bis zum industriellen Mittelstand – um Praktika, Ausbildungs- und Arbeitsplätze für Mütter mit Migrationshintergrund zu akquiriere

Bei FLAKS endet die individuelle Begleitung der Mütter mit Migrationshintergrund nicht mit der Aufnahme einer Arbeit. Denn die Erfahrung zeigt: Manche Frauen brauchen in dieser ersten Phase Unterstützung, sobald sie sich überfordert fühlen oder Schwierigkeiten auftreten, damit sie die Arbeitsstelle nicht aufgeben. „Eine Frau war z. B. nicht festangestellt, sondern arbeitete als Honorarkraft. Also musste sie sich privat versichern und ihre Einkommenssteuererklärung selbst erstellen. Das konnte sie nicht und benötigte unsere Unterstützung.“ Die Begleitung von FLAKS endet in der Regel dann, wenn die Frauen ihre Probezeit beendet haben.

Die Beratung von Müttern mit Migrationshintergrund bei FLAKS nimmt auch deren Familien mit in den Blick. Serpil Kurukavak-Volkland betont, wie wichtig es ist, dass arbeitende Mütter von ihrem direkten sozialen Umfeld und ihrer Familie unterstützt werden. Viele Arbeitsplätze sind auch heute noch nicht familienfreundlich ausgestaltet. Arbeitszeiten und Betreuungsangebote passen oft nicht zueinander. Es bedeutet eine Doppelbelastung, wenn Mütter arbeiten und sich um die Familie kümmern. „Falls es Schwierigkeiten gibt, beziehen wir die Familienmitglieder der Frauen mit in die Beratung ein“, erklärt Serpil Kurukavak-Volkland den Ansatz von FLAKS. Die Beraterin ist überzeugt: „Wenn die Mutter glücklich ist, dann sind alle glücklich – der Partner und die Kinder.“

Individuelle Begleitung, die Stärkung von Selbstbewusstsein und Kompetenzen sowie die Einbindung des sozialen Umfelds der Mütter mit Migrationshintergrund sind in verschiedenen Projekten des Programms „Stark im Beruf“ zentrale Ansätze zur Förderung.