Erfolgsfaktoren

So kann die Partnerschaftliche Organisation gelingen

Viele Faktoren tragen dazu bei, dass die Organisation von Erwerbs- und Familienarbeit in der Partnerschaft gelingen kann. Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft und Verbänden zeigen Wege auf, wie Unternehmen, Gesellschaft und Paare die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern können.

„Wenn Besprechungen erst um 17 Uhr oder nach der eigentlichen Arbeitszeit stattfinden, können Mütter und Väter oftmals nicht teilnehmen. Unternehmen können für sich festsetzen, dass wichtige strategische Treffen nicht zu Randzeiten stattfinden.

Vollzeitnahe Teilzeitstellen sind ebenfalls ein Mittel, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Gleichstellung zu fördern. Vollzeitnahe Teilzeitstellen im Bereich von etwa 25 bis 34 Stunden ermöglichen es Müttern ein Einkommen zu erwirtschaften, von dem sie existieren können, ihre Familie versorgen können und zugleich Zeit für ihre Familie zu haben. Dasselbe gilt auch für Väter. Tatsächlich gibt es viel mehr dieser vollzeitnahen Teilzeitstellen, als genutzt werden. Viele Arbeitnehmer wissen gar nicht, dass es diese Möglichkeit gibt.“

Prof. Dr. Carsten Wippermann, Delta-Institut für Sozial- und Ökologieforschung

„Medien und Gesellschaft schreiben muslimischen Vätern häufig ein Rollenverständnis zu, das sie als Patriarchen darstellt, die ihre Frauen am liebsten zuhause behalten wollen. Das entspricht weder der Realität noch dem Selbstbild, das ein Großteil der Männer von sich hat. Mit unserem Projekt „Vaterzeit im Ramadan“ versuchen wir daher ein differenziertes Bild von muslimischen Vätern zu zeichnen: Wie deutsche Väter wollen auch sie mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen und sich in die Erziehung einbringen. Spezielle Angebote, die sich an diese Väter richten sind daher sehr wichtig.“

Hiltrud Stöcker-Zafari, Geschäftsführerin beim Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e.V.

„Beim Bruttoeinkommen besteht zwischen Männern und Frauen eine Kluft von 45 Prozent. Entgelttransparenz in den Unternehmen kann hier zu einer Verbesserung der aktuellen Situation beitragen. Denn wenn Arbeitnehmerinnen die Auskunft erhalten, wie sie mit ihrem Gehalt im Vergleich zu ihren Kolleginnen und Kollegin im eigenen Unternehmen in derselben Position und mit derselben Qualifikation dastehen, dann haben sie eine wesentlich bessere Grundlage, wenn es um die Gehaltsverhandlung geht.“

Prof. Dr. Carsten Wippermann, Delta-Institut für Sozial- und Ökologieforschung

„In unserem Projekt holen wir oft die Männer mit ins Boot, um sie davon zu überzeugen, wie wichtig es ist, dass sich beide Elternteile beruflich orientieren. Ich argumentiere dann mit den persönlichen Erfahrungen von meinen Mitarbeiterinnen und mir: Auch wir haben Kinder und arbeiten. Wir erklären, dass es gut für die Familie ist, wenn die Mutter berufstätig ist und es das Ansehen der Familie stärkt. Denn in Deutschland gehört es dazu, dass auch die Frau arbeiten geht. So zu argumentieren, funktioniert sehr gut. Wenig erfolgreich ist es hingegen, wenn wir darauf hinweisen, dass die Mutter durch ihre Arbeit einen Beitrag zum Familieneinkommen leisten kann. Da sind viele Männer peinlich berührt, weil sie sich selbst in der Rolle des Ernährers sehen“.

Ruth Zinner Projektleiterin „Mama lernt mehr“ der Beschäftigungsförderung Göttingen

„Das Thema haushaltsnahe Dienstleistungen wird in Deutschland erst seit einigen Jahren diskutiert. In skandinavischen Ländern, wie zum Beispiel Schweden, sind sie schon sehr weit verbreitet und werden von breiten Teilen der Bevölkerung selbstverständlich genutzt. In Deutschland ist dieser Bereich noch sehr unterentwickelt, kaum professionalisiert und wenig auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten. Zudem besteht das Vorurteil, diese Dienstleistungen wären sehr teuer und daher ein Luxus. Das ist allerdings gar nicht der Fall.

Gerade in der Phase, wenn Frauen in den Beruf wieder einsteigen wollen, sind haushaltsnahe Dienstleistungen ein wichtiges Unterstützungsmoment. Denn sonst kommen Frauen in die Falle der Überforderung, indem sie versuchen, alles selbst zu machen. Da vor allem Frauen am unteren Rand der Gesellschaft mit geringem Einkommen häufig von dieser Situation betroffen sind, könnten hier Gutschein-Systeme für Entlastung sorgen.“

Prof. Dr. Carsten Wippermann, Delta-Institut für Sozial- und Ökologieforschung