Tipps aus der Praxis: Das Bewerbungsverfahren

Viele Unternehmen sind davon überzeugt, dass ein vielfältig aufgestelltes Team ein Mehrwert für den Betrieb ist: Frauen und Männer jeglicher Altersstufe, Herkunft und Lebensstile bringen unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven in den Arbeitsalltag ein und sorgen so für ein innovatives Arbeitsumfeld. Dies trägt wiederum zum wirtschaftlichen Erfolg bei.

Das Bewerbungsverfahren - Erfahrungen und konkrete Tipps der Gerhard Rösch GmbH

Das Selbstverständnis der Gerhard Rösch GmbH ist es, dass ein wirtschaftlicher Betrieb die Lebenswirklichkeit der Region widerspiegelt. Menschen mit Migrationshintergrund, Frauen und Männer mit familiärer Verantwortung sind in unserer Gesellschaft Normalität – und daher auch in der Gerhard Rösch GmbH.

„Die Lebenswirklichkeit wiederzuspiegeln“ bedeutet dabei oftmals keinen Mehraufwand für Unternehmen. Vielerorts wird der Ansatz bereits umgesetzt, wenn auch unbewusst. Diversität leben und fördern - damit hat die Gerhard Rösch GmbH als mittelständisches Unternehmen sehr gute Erfahrungen gemacht. Wie sich Vielfalt in Unternehmen erkennen, für den Betrieb und die Belegschaft gleichermaßen nutzen und unterstützen lässt, hat das Unternehmen in einer eigenen Checkliste für Bewerbungs- und Personalauswahlverfahren zusammengefasst:

Stellenausschreibungen

  • Das Bewerbungsverfahren beginnt meist mit einer Stellenausschreibung. Machen Sie hier bereits deutlich, welche genauen Qualifikationen benötigt werden und wie diese belegt werden müssen.
    Stellenausschreibungen sollten in größeren Betrieben gemeinsam mit den Fachabteilungen erarbeitet werden, um möglichst genaue Anforderungen zu identifizieren.
  • In vielen Einsatzgebieten ist die Zusammenarbeit mit Menschen, die durch mehr als eine Kultur geprägt sind, besonders sinnvoll - beispielsweise wenn Sie einen Kraftfahrer oder eine Kraftfahrerin suchen, der oder die oft in Tschechien unterwegs sein wird.
    Bleiben wir bei diesem Beispiel, dürfen Sie in einem solchen Fall jedoch in Ihren Ausschreibungen nicht direkt eine tschechische Staatsangehörigkeit erfragen – denn das widerspricht dem Antidiskriminierungsgesetz. Setzen Sie eher Sprachkenntnisse oder entsprechende interkulturelle Kompetenzen voraus. So sprechen Sie auch deutsche Bürgerinnen und Bürger mit den entsprechenden Voraussetzungen an.
  • Kommen für Ihre freien Stellen auch Bewerberinnen und Bewerber mit elementaren Sprachkenntnissen (ab Sprachniveau A1) in Frage, dann erstellen Sie entsprechende Ausschreibungen in leichter Sprache.


Qualifikationen erkennen

  • Sie sollten bereits für den Bewerbungsprozess festlegen, welche Qualifikationen Bewerberinnen und Bewerber mitbringen müssen. Bei ausländischen Abschlüssen besteht oft die Frage, inwiefern diese mit den benötigten Qualifikationen übereinstimmen.
    In vielen Fällen wird daher eine Anerkennung der Abschlüsse benötigt. Machen Sie auf Ihrer Internetseite oder in Ihren Bewerbungsunterlagen darauf aufmerksam, was der Bewerber oder die Bewerberin tun kann, um die geeignete Qualifikation nachzuweisen.
  • Gerade bei Berufsausbildungen sagt der schulische Bildungsabschluss oft nicht alles über die Bewerberinnen und Bewerber aus. Bieten Sie die Möglichkeit zur Probearbeit an. So kann direkt vor Ort bewertet werden, ob alle Voraussetzungen für die Ausbildung erfüllt sind und ob die Chemie zwischen der Bewerberin/dem Bewerber und dem Team stimmt.

Das Bewerbungsgespräch

  • Viele Menschen sind in Bewerbungsgesprächen nervös; dies gilt gerade dann, wenn ihre Sprachkenntnisse nicht dem muttersprachlichen Niveau entsprechen. Passen Sie daher Ihre Kommunikation an, sprechen langsam und nutzen wenn nötig einfache Sprache.
    Stellen Sie jedoch eine Überprüfung sicher, dass die Sprachkenntnisse für die Arbeitsaufgaben ausreichen.
  • Merken Sie, dass Deutschkenntnisse für das Gespräch nicht ausreichen, dann führen Sie, wenn möglich, das Interview auf Englisch oder in der Muttersprache der Bewerberin bzw. des Bewerbers – beispielsweise mit Hilfe einer Mitarbeiterin bzw. eines Mitarbeiters, die/der die Landessprache beherrschen.
    Sind Sie vom Bewerber oder der Bewerberin überzeugt, können Sie einen Sprachkurs vor den Einstellungstermin anbieten und so fehlende Deutschkenntnisse nachholen. Finanziert werden können Sprachkurse über das Unternehmen oder in Absprache mit der Arbeitsagentur bzw. dem Jobcenter.
  • Haben Ihre potentiellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter familiäre Verpflichtungen? Dann sprechen Sie diese direkt an und beschreiben, welche Arbeitszeitmodelle bei Ihnen angeboten werden. Haben Sie weitere familienfreundliche Angebote, z. B. eine Ferienbetreuung, stellen Sie diese vor.


 Ihr strategischer Partner: Die Agentur für Arbeit und das Jobcenter

  • Nutzen Sie den Ausschreibungsverteiler des Jobcenters bzw. der Agentur für Arbeit, um Ihre Stellen zu bewerben.
  • Nehmen Sie an Messen der Arbeitsverwaltung teil, um ihre Ausbildungsangebote und Stellenprofile vorzustellen. So kommen Sie direkt mit potenziellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Kontakt und können sich ein erstes Bild machen.