Sprachtraining während der Ausbildung

Berufsbegleitende Sprachförderung im Pflegeunternehmen – wie die Integration von Müttern mit Migrationshintergrund im Job gelingen kann

Nare Yesilyurt ist Gründerin und Geschäftsführerin des kulturspezifischen Pflegedienstes Deta-Med. Ihr Unternehmen hat rund 280 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 70 Prozent davon sind Mütter – ein Großteil alleinerziehend. Familienfreundliche Arbeitsbedingungen gehören zum Selbstverständnis von Deta-Med. Das drückt sich in Arbeitszeiten aus, die zu den individuellen Lebenssituationen passen und insbesondere die Kinderbetreuungszeiten berücksichtigen. Möglichkeiten zum eigenverantwortlichen Tausch von Diensten erhöhen die Flexibilität, um auch unvorhergesehene familiäre Anforderungen und Arbeit miteinander vereinbaren zu können. Eine übertarifliche Bezahlung reduziert den ökonomischen Druck von Familien und stärkt die Unabhängigkeit der Frauen.

Unternehmensziel: Frauen mit Migrationshintergrund in das Arbeitsleben integrieren

Mehr als die Hälfte des Pflegepersonals bei Deta-Med hat einen Migrationshintergrund. Ein Großteil der Angestellten stammt aus der Türkei. Nare Yesilyurt ist selbst als kleines Mädchen aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Ihr Unternehmen hat sie ursprünglich mit zwei Zielen gegründet: Zum einen wollte sie Pflegeangebote für türkische Migrantinnen und Migranten schaffen und zum anderen sollten türkische Frauen, die erst mit der Heirat nach Deutschland kamen – auch um hier ihre angeheirateten Verwandten zu pflegen – in das Arbeitsleben integriert werden. „Ich wollte den Frauen die Möglichkeit einer Ausbildung geben, wenn sie in ihrer Jugend keine Möglichkeit dazu hatten, weil sie früh verheiratet wurden oder sehr früh ihre Kinder bekommen haben“, erklärt die Unternehmerin.

Berufsbegleitende Förderung der Deutschkenntnisse als wichtige Voraussetzung für die Pflegearbeit

Nare Yesilyurt stellt ganz bewusst auch Frauen ohne Berufsqualifikationen und mit sehr schlechten Deutschkenntnissen ein. Wichtig ist ihr, dass die Bewerberinnen arbeiten wollen. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, ist sie überzeugt. „Man muss den Menschen eine Chance geben. Ich weiß das von mir selbst. Mit einem erweiterten Hauptschulabschluss habe ich es zur Uni geschafft und bin Akademikerin geworden.“

Ein wichtiger Schritt zur vollständigen Integration in die Arbeitswelt ist die Verbesserung der Deutschkenntnisse. Nach der Einstellung werden die betreffenden Frauen daher berufsbegleitend zu Deutschkursen geschickt. Sie können weiterhin normal im Betrieb arbeiten, zusätzlich aber ihre sprachlichen Kompetenzen verbessern. In der Arbeitsplanung wird dafür gesorgt, dass für die Kursteilnahme genug Zeit zur Verfügung steht.

„Wer hier arbeitet, muss bereit sein, sich weiterzuentwickeln.“

Die Sprachkurse werden an Sprachschulen durchgeführt und beziehen sich inhaltlich auf den Pflegeberuf. „Ich bestimme die Inhalte mit, weil ich weiß, wo die Schwächen meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liegen“, erklärt Nare Yesiyurt. Bezahlt wird die Teilnahme am Kurs vom Unternehmen. Mit dem Angebot der Deutschkurse ist bei Deta-Med auch der Anspruch verbunden, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieses Angebot wahrnehmen. Nare Yesilyurt weist ausdrücklich darauf hin, welche Bedeutung die Deutschkenntnisse für das gemeinsame Arbeiten haben. Und sie betont bereits im Vorstellungsgespräch, dass bei Deta-Med auf Bildung sehr viel Wert gelegt wird. „Wer hier arbeitet, muss bereit sein, sich weiterzuentwickeln. Ich möchte keine bildungsresistenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!“

Deutschkenntnisse als Ausgangspunkt für eine umfassende berufliche Weiterentwicklung

Die berufsbegleitenden Deutschkurse sind bei Deta-Med häufig der Anfang einer umfassenden beruflichen Weiterentwicklung. „Nach den Deutschkursen schicken wir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Pflegehelferkursen, danach zur Ausbildung als examinierte Altenpflegerin“, beschreibt Nare Yesilyurt die typische Abfolge. Deta-Med hat seit 2005 knapp 120 Personen ausgebildet, viele unter ihnen sind Mütter mit Migrationshintergrund. Bezahlt werden Aus- und Weiterbildungen immer vom Unternehmen. In der Regel dauert die berufliche Integration von Frauen mit Migrationshintergrund ohne Berufsausbildung und mit schlechten Deutschkenntnissen sechs bis acht Jahre vom ersten Deutschkurs bis zum Ausbildungsabschluss.

Investitionen in Weiterbildung zahlen sich für das Unternehmen aus

Die Investitionen in ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zahlen sich in mehrfacher Hinsicht aus. Deta-Med kann aufgrund dieser Investitionen auf kompetentes Pflegepersonal bauen, das mit seinen Arbeitsbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten zufrieden ist und daher häufig lange im Unternehmen verbleibt. „Wenn ich nicht in meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter investieren würde, wäre mein Unternehmen nicht so erfolgreich. Sie sind mein größtes Kapital!“