Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt

Jenny Brautzsch ist Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt und Migrationsangelegenheiten im Jobcenter Neukölln. Im Rahmen von „Stark im Beruf“ steht sie vier Berliner Projektträgern als Ansprechpartnerin zur Verfügung.

 

  

 

Die Aufgabe der Arbeitsagenturen und Jobcenter ist es, Menschen in Arbeit zu bringen. Das hört sich zunächst einfach an, ist jedoch oft mit der Lösung von sehr komplexen und auch spezifischen Fragestellungen verbunden. Für die  Zielgruppe der Mütter mit Migrationshintergrund bedeutet dies, dass sie den familiären und beruflichen Anforderungen  in einer für sie eher fremden Ankunftsgesellschaft gerecht werden müssen. Sie auf dem Weg in den Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt zu unterstützen, ist das Anliegen des Programms und auch meines. 

Meine Erfahrungen sind, dass gerade Mütter mit Migrationshintergrund die Möglichkeiten des deutschen Ausbildungs- und Arbeitsmarkts als Chance begreifen, sich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln. Ihre Erfolge sind ein Ansporn für andere Familienmitglieder ihre Integrationsbemühungen zu verstärken. Die Angebote des Programms „Stark im Beruf“ sind hier  sehr hilfreich und unterstützen diesen Prozess. Aus meiner Sicht, als Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (BCA), ist die Erschließung des großen Potentials von Müttern mit Migrationshintergrund ein wichtiger Beitrag zur Gewinnung von Fachkräften und zur Verbesserung der Chancengleichheit  von Männern und Frauen  am Arbeitsmarkt.

 Die wichtigsten Eckpunkte, die es umzusetzen gilt, sind:

  • die Erschließung von Kinderbetreuungsmöglichkeiten,
  • die gesundheitliche Stabilisierung,
  • die Vermittlung von grundlegenden Kenntnissen über den deutschen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt,
  • die Anerkennung von im Ausland erworbenen schulischen und beruflichen Abschlüssen, 
  • die Vermittlung von relevanten sprachlichen und beruflichen Kenntnissen und Qualifikationen,
  • die systematische Zusammenarbeit mit dem gesamten Familienverband, um traditionelle Rollenmuster aufzulösen und die Akzeptanz innerhalb des sozialen Umkreises zu stärken und
  • die persönliche Stärkung der Mütter, durch eine engmaschige Beratung  und Begleitung im Integrationsprozess besonders bei auftretenden Zweifeln und Schwierigkeiten.

In Berlin laufen zurzeit mehrere Projekte. Für sie stehe ich als Ansprechpartnerin im Jobcenter Berlin- Neukölln zur Verfügung. Ich möchte mich hier jedoch besonders auf das Projekt des IBBC e.V. aus Berlin-Neukölln  beziehen, mit dem wir eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen haben.

Unsere Zusammenarbeit umfasst grundsätzlich drei Themenfelder:

interner Informationstransfer / Teilnehmerinnengewinnung

Ich informiere die Arbeitsvermittlerinnen und Arbeitsvermittler über das Projekt, den Verlauf, die Umsetzung und den Beginn anstehender Kurse. Dies erfolgt per Mail, bei der Durchführung von internen Workshops oder Schulungsveranstaltungen und im Gespräch mit Integrationsfachkräften bei Fallbesprechungen. 

Alle verfahrensrelevanten Informationen sind für alle Arbeitsvermittlerinnen und Arbeitsvermittler einsehbar,  in einen gesonderten Ordner in unserer hausinternen Ablage eingestellt. 

Zusammenarbeit mit dem Träger

Als BCA bin ich für den Träger die direkte Ansprechpartnerin. Der Projektträger hat meine Kontaktdaten und kann mich unmittelbar erreichen. So können wir grundsätzliche oder allgemeinere Fragen oft direkt klären oder auf den Einzelfall bezogen, in Abstimmung mit der Integrationsfachkraft, lösen. Wichtig für uns und den Projektträger ist es, dass im Interesse des Integrationsfortschrittes der Teilnehmerin die Entscheidungen zielgerichtet, nachvollziehbar und möglichst einvernehmlich getroffen werden. 

Bei der Erstellung von Informationsmaterialien und Flyern gebe ich dem Träger Hinweise, welche Informationen für die Arbeitsvermittlung wichtig sind und stelle diese der Arbeitsvermittlung zur Verfügung.

Netzwerke

Auf regionalen Infobörsen (z.B. Neuköllner Fraueninfobörse) treten wir gemeinsam im Netzwerk auf oder machen Ratsuchende auf das Projekt aufmerksam. Als Jobcenter Neukölln veranstalten wir Messen und Informationsveranstaltungen, z.B. für Alleinerziehende, Eltern mit Erziehungsverantwortung oder für geflüchtete Menschen. Hierzu lade ich die in Frage kommenden Projektträger ein. So können sich unsere Kundinnen, aber auch die Integrationsfachkräfte, ein persönliches Bild über das vorhandene Angebot machen. 

Bei meinen Beratungsaufgaben gegenüber anderen Beratungsstellen und Organisationen, z.B. in Arbeitskreisen oder bei Anfragen, weise ich auf das Projekt und dessen Möglichkeiten und Erfolge hin.

Ich habe viele Möglichkeiten, meine Kolleginnen und Kollegen zu informieren. Ich informiere intern per E- Mail, über den BCA-Newsletter und durch eine gesonderte Ablage über Inhalte, den Verlauf, ggf. über freie Plätze und den Zugang zu den Projekten. Im Newsletter wurden die vier Berliner „Stark im Beruf“-Projekte vorgestellt. 

Andere Jobcenter informiere ich vor allem durch das BCA-Netzwerk über die Projekte. Zunächst wurde das Programm auf einem Treffen der BCAs in der Regionaldirektion der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg bekannt gemacht und die zuwendungsberechtigten Träger benannt. Im Anschluss habe ich die vier Projektträger  in den regelmäßigen Arbeitskreis der  BCAs der Berliner Jobcenter eingeladen. Die Projektträger konnten hier ihr konkretes  Angebot vorstellen, Informationsmaterial  verteilen  und offene Fragen klären. Die BCAs tauschen sich regelmäßig über aktuelle Informationen aus, sodass sie in alle Berliner Jobcenter gelangen.

Tipp an den Träger

Damit Ihr kooperierender Arbeitsvermittler einschätzen kann, wer für die Teilnahme an Ihrem Projekt in Frage kommt, sollten Sie folgende Informationen weiterleiten: 

  • Welche konkreten Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Projekt?
  • Welche Zielgruppe (z. B. Akademikerinnen, besondere Altersgruppe), sprechen Sie mit Ihrem Projekt an?
  • Welches Sprachniveau muss mindestens vorliegen?
  • Welche schulischen und/oder beruflichen Voraussetzungen (Abschlüsse) müssen vorliegen?
  • Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden im Projekt bearbeitet?
  • Welche besonderen Unterstützungsangebote (z.B. Kinderbetreuung in Ferienzeiten, sozialpädagogische Begleitung) werden bereitgestellt?
  • In welchem zeitlichen Rahmen findet das Projekt statt?
  • Wann sind mögliche Einstiegstermine? 

Benennen Sie zudem eine zentrale Ansprechperson und teilen Sie dem Arbeitsvermittler die Kontaktdaten (E-Mailadresse und Telefonnummer) mit . So kann Ihr Partner bei Fragen direkt auf die entsprechend Person zugehen. Bitte beachten Sie bei Kontaktaufnahme, dass konkrete Fallbesprechungen nur unter Beachtung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen möglich sind.