Anerkennung in Norwegen

In Zukunft wird der Fachkräftebedarf in Berufsgruppen wie der Krankenpflege auf dem norwegischen Arbeitsmarkt steigen. Während viele Zuwandererinnen und Zuwanderer Qualifikationen in diesem Bereich mitbringen, werden diese häufig nicht vollständig anerkannt. So arbeiten Migrantinnen und Migranten in vielen Fällen unter ihrem Qualifikationsniveau oder sind arbeitslos. Viele potenzielle Fachkräfte können ihre Kompetenzen nicht dort einsetzen, wo sie gebraucht werden.

Das norwegische Anerkennungsverfahren

Der Norwegische Qualifikationsrahmen (Norwegian Qualifications Framework) bietet eine Übersicht über das norwegische Bildungssystem und fungiert als Grundlage für den Vergleich ausländischer Berufsqualifikationen mit norwegischen Vorgaben.

Alle Personen mit einem ausländischen Berufsabschluss, die einen der 180 reglementierten Berufe ausüben möchten, müssen eine Anerkennung ihres Abschlusses beantragen. Im Rahmen des Anerkennungsverfahrens werden die Qualifikationen des Antragsstellers mit den entsprechenden norwegischen Abschlüssen verglichen und bewertet. Den eigenen Beruf ausüben dürfen nur diejenigen, deren Berufsabschluss als komplett gleichwertig zu einem norwegischen Referenzberuf anerkannt wird. Besonders reglementiert sind Berufe im Gesundheitswesen (z. B. Krankenpfleger/-innen, Zahnärzte/-innen, Ärzte/-innen) sowie im Bildungsbereich (z. B. Lehrkräfte und Erzieher/-innen).

Das Anerkennungsverfahren für Staatsbürgerinnen und -bürger aus EU/EWR-Ländern und Drittstaatsangehörige:

  • Es gibt ein System der automatischen Anerkennung für manche Berufe wie beispielsweise Ärztinnen bzw. Ärzte und Krankenpflegerinnen und -pfleger.
  • Bei Drittstaatsangehörigen werden sowohl die Dauer als auch die Inhalte der Ausbildung geprüft, um deren Gleichwertigkeit zur entsprechenden Norwegischen Ausbildung zu bewerten.
  • Kenntnisse der norwegischen Sprache in Wort und Schrift müssen nachgewiesen werden.
  • Ärztinnen und Ärzte, Krankenpflegerinnen und -pfleger, Zahnärztinnen und -ärzte sowie Apothekerinnen und Apotheker müssen eine Prüfung zu der Struktur und Organisation des norwegischen Gesundheitswesens, zum norwegischen Recht und zur norwegischen Kultur erfolgreich ablegen.
  • Für nicht reglementierte Berufe gibt es kein formelles System zur Anerkennung.
  • In diesen Berufen wird es dem Arbeitgeber überlassen, ob die Qualifikationen von Bewerberinnen und Bewerbern ausreicht.

Der Aktionsplan

„Wir benötigen die Kompetenzen der Zuwanderinnen und Zuwanderer“ 2013-2016 (Vi trenger innvandrernes kompetanse, Handlingsplan 2013-2016) so lautet der Aktionsplan des Ministeriums für Kinder, Gleichstellung und soziale Inklusion 2013. Kernziele des Aktionsplans sind unter anderem:

  • Ein nationales System zur Anerkennung ausländischer Qualifikationen für Zuwanderinnen und Zuwanderer ohne dokumentierte Qualifikationen
  • Ein neues Anerkennungssystem im Gesundheitswesen für Fachkräfte
  • Eine Verbesserung des Angebots an norwegischen Sprachkursen für hochqualifizierte Zuwanderinnen und Zuwanderer
  • Eine Verbesserung des Wissenstands über den Bedarf an Anpassungsqualifikationen für Fachkräfte in reglementierten Berufen
  • Eine Verbesserung der Kompetenzen von Beraterinnen und Beratern im Anerkennungsprozess
  • Eine Verbesserung der Arbeitsmarktberatungsangebote für Zuwanderinnen und Zuwanderer sowie Antragstellerinnen und -steller im Anerkennungsverfahren

Mit diesem Aktionsplan greift Norwegen viele Punkte auf, die auch für Deutschland relevant sind. Nicht nur der Fachkräftemangel, auch die hohe Anzahl der reglementierten Berufe in Norwegen spiegelt die Situation in Deutschland wider. Vor diesem Hintergrund ist es für beide Länder wichtig, das Anerkennungsverfahren effizient und effektiv zu gestalten, damit Zuwanderinnen und Zuwanderer schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden können. In Deutschland regelt das Anerkennungsgesetz Verfahren zur Bewertung ausländischer Berufsqualifikationen auf Bundesebene. In den Ländern wurden zusätzliche Gesetzgebungen für Berufsgruppen etabliert, die auf föderaler Ebene geregelt werden. Zudem stehen Norwegen und Deutschland vor der ähnlichen Situation, geeignete Anpassungsqualifikationen für Zuwanderinnen und Zuwanderer anzubieten.

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