Praxisporträt Göttingen

Der Friseursalon Überhaupt in Göttingen beschäftigt insgesamt mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter auch Frauen mit Migrationshintergrund. Die vielfältige Belegschaft wird sehr geschätzt. Deshalb war es selbstverständlich, auch einer geflüchteten Frau eine Festanstellung im Salon anzubieten.

Salonbesitzer Steffen Lusmeier fasst seine Erfahrungen zusammen.

Was hat Sie davon überzeugt, Frau Gidey direkt eine Festanstellung anzubieten?

Steffen Lusmeier: Frau Zinner von der „Stark im Beruf“- Kontaktstelle in Göttingen hat uns einander vorgestellt. Frau Gidey war für uns direkt die passende Bewerberin – das hat uns eine lange Suche erspart. Nachdem Frau Gidey einen Monat bei uns im Salon hospitiert hatte, wussten wir, dass sie sehr gut in unser Team passt und konnten auch ihre Praxiserfahrung sehen, die sie in ihrem Heimatland gesammelt hatte.

Vor welchen Herausforderungen standen Sie?

Steffen Lusmeier: Herausfordernd waren die rechtlichen Fragen: Welche besonderen Regeln gilt es bei der Beschäftigung zu beachten? Wie sieht es mit dem Aufenthaltsstatus aus? Klären konnten wir diese Fragen gemeinsam mit der „Stark im Beruf“- Kontaktstelle und der Ausländerbehörde. Frau Zinner ist auch heute noch für uns ansprechbar und hält weiterhin den Kontakt zu Frau Gidey. Das schätzen wir sehr, denn wir wissen: Sollte es Hürden geben, können wir immer auf sie zurückkommen.

Integration braucht immer Zeit – auch in einem kleinen Betrieb wie unserem. Wichtig ist, dass das Team die neue Kollegin unterstützt. Die Belegschaft hat viele Rollen eingenommen: Haben Tipps im Umgang mit Kundinnen und Kunden gegeben oder übersetzt, wenn Frau Gidey sprachlich nicht weiter wusste. So hat sich auch nach und nach ihr Wortschatz erweitert!

Seit zwei Jahren lebt Eden Gidey in Göttingen. In ihrer Heimat Eritrea hat sie elf Jahre die Schule besucht und danach ein Jahr als Friseurin gearbeitet. Die Arbeit macht ihr viel Spaß, daher freut sie sich, auch in Deutschland in einem Friseursalon arbeiten zu können.

Was gefällt Ihnen besonders gut an Ihrer Arbeit?

Eden Gidey: Das tolle Team! Mein Chef, meine Kolleginnen und Kollegen und meine Kundin­nen und Kunden sind sehr offen und freundlich. Sie helfen mir dabei Deutsch zu lernen und unterstützen mich auch in alltäglichen Dingen. Eine Kundin hat mir sogar eine Wohnung vermittelt. 

Was sind Ihre Ziele für die Zukunft?

Eden Gidey: Ich möchte gerne noch eine Ausbildung als Friseurin machen. Dafür muss ich meine Sprachkenntnisse verbessern und mein Schulzeugnis aus Eritrea muss hier anerkannt werden.

Die Sprache zu lernen ist für viele geflüchtete Frauen oft eine große Hürde. Doch durch ihre hohe Motivation und ihre Bereitschaft neue Wege einzuschlagen machen sie die schwierigen Startbedingungen wieder wett.

Ruth Zinner, „Stark im Beruf“ - Kontaktstelle Göttingen