Neunter Familienbericht: Familie ist ein Integrationsmotor

03.03.2021

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hat am 3. März dem Bundeskabinett den Neunten Familienbericht mit dem Titel "Eltern sein in Deutschland" vorgelegt hat. Der Bericht stellt die Eltern in den Mittelpunkt. Eltern wurden gefragt, wie sie leben wollen, was sie sich für ihre Kinder wünschen, wovon sie sich unter Druck gesetzt fühlen, wo und von wem sie Entlastung erwarten.

Der Neunte Familienbericht geht an zahlreichen Stellen auch auf die Situation von zugewanderten Familien ein*.

  • Migration trägt maßgeblich zur Heterogenität der Familien bei. Knapp 13,8 Millionen in Deutschland sind im Laufe ihres Lebens zugewandert, ein Viertel der Bevölkerung weist einen Migrationshintergrund auf, und in 40 Prozent aller Familien mit minderjährigen Kindern im Haushalt haben entweder alle oder einzelne Familienmitglieder einen Migrationshintergrund.
  • Eine Migration ist oft eine „Familienangelegenheit“. Familiäre Erwägungen spielen bei Migrationsentscheidungen eine wichtige Rolle. Für die Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland ist es daher notwendig, die Rahmenbedingungen für die Einreise zu verbessern und mit- und nachreisenden Familienangehörigen Perspektiven in Deutschland zu bieten.
  • Familie ist ein Integrationsmotor. Die Familie ist in vielfacher Hinsicht bedeutsam für die Integrationsprozesse ihrer Mitglieder. Integration als Prozess der Mitgliedschaftswerdung und der Angleichung der Lebensverhältnisse erfordert dabei auch die Gewährleistung von Teilhabe durch die Institutionen der Aufnahmegesellschaft. Eltern profitieren von Sprach- und Integrationskursen sowie beruflichen Orientierungs- und Qualifizierungskursen, deren Teilnahme sich mit den Anforderungen der Familie gut vereinbaren lassen.
  • Elternschaft ist bei zugewanderten Familien mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert. Oftmals sind sie, insbesondere bei fehlenden Sprachkenntnissen, mit Defizitzuschreibungen konfrontiert und werden zur „risikobehafteten Eltern“ degradiert. Um ihnen die Integration im Zielland zu erleichtern, bedarf es einer zugewandten und offenen Haltung sowie migrationssensibler Unterstützungsangebote. Der „doppelten Integrationsrendite“ durch die Kita kommt entscheidende Bedeutung zu.

Die Bundesregierung unterstreicht in ihrer Stellungnahme, dass der Familie sowohl bei der Migrationsentscheidung als auch bei der Integration der Zugewanderten eine wichtige Rolle zukommt. Migration und Integration sind in gleich mehrfacher Hinsicht eine Familienangelegenheit. Dementsprechend wird das Ziel verfolgt, die soziale und politische Teilhabe von Menschen mit Migrationsgeschichte zu stärken, die Anerkennung von Diversität voranzutreiben sowie Deutschland als Einwanderungsland international sichtbarer und für Beteiligte und Betroffene positiv erlebbar zu machen. Die Stellungnahme betont, dass zielgruppenspezifische Programme und Maßnahmen, die das Regelangebot ergänzen, auf den verschiedenen föderalen Ebenen erforderlich bleiben – zum Beispiel für geflüchtete Frauen, für Migrantinnen am Arbeitsmarkt wie mit dem ESF-Bundesprogramm „Stark im Beruf – Mütter mit Migrationshintergrund steigen ein“ und für zugewanderte Kinder und Jugendliche.

Die Kurzfassung des Neunten Familienberichts finden sie hier.

(*Quelle: Zusammenfassung des Gutachtens der Sachverständigenkommission)