Rückblick auf die Konferenz: „Stark im Beruf – starke Begleitung in Zeiten von Corona“

Moderatorin Hatice Akyuen mit Christoph Schwarnborn, Dr. Michaela Kreyenfeld, Frau Petra Mackroth auf der hybriden Trägerkonferenz
Moderatorin Hatice Akyuen gemeinsam mit Christoph Schwarnborn, Dr. Michaela Kreyenfeld, Frau Petra Mackroth auf der digitalen Trägerkonferenz

1.Tag – Keynote und Podiumsdiskussion

Die einen saßen im Homeoffice oder im Büro vor den Bildschirmen, die anderen standen mit Abstand im Berliner Studio, und um 14:30 Uhr ging es los: Moderatorin Hatice Akyün begrüßte die Teilnehmenden der Trägerkonferenz „Stark im Beruf – stark im Zeiten von Corona“. Zu Beginn dankte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey in ihrem Grußwort den Kontaktstellen dafür, dass sie auch in der Pandemie an der Seite der Mütter geblieben sind.

Im Impulsvortrag „Corona-Krise – Mütter unter Druck und väterliches Engagement“ gab Dr. Michaela Kreyenfeld von der Hertie School of Governance einen Überblick über die Forschungsergebnisse ihrer Studie zum Einfluss von Corona auf die Familien. Die Soziologieprofessorin hat allgemein – also ohne speziellen Fokus auf migrantische Familien – die Verhältnisse während des ersten Lockdowns untersucht und fasste zusammen: Mütter tragen (auch) in der Corona-Krise die Hauptlast der Sorgearbeit, Väter haben ihren Anteil aber um 30 Prozent ausgeweitet. Besonders Väter mit Berufsbildungsabschluss haben ihr Verhalten verändert, da sie häufig in Kurzarbeit waren und deshalb mehr Zeit für die Familie hatten.

Beratung unter Corona-Bedingungen

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Petra Mackroth (BMFSFJ), Dr. Nicole Cujai (Bundesagentur für Arbeit) und Christoph Schwamborn (Servicestelle „Stark im Beruf“ bei der Stiftung SPI) ging es um die Ausrichtung der Beratungsarbeit an Pandemie-Bedingungen: Das Telefon wurde zum Haupt-Kommunikationsweg für Mitarbeiterinnen und Mütter, die virtuelle Erreichbarkeit der Teilnehmerinnen im Programm war eine große Herausforderung. Durch Kontaktbeschränkungen und Schulschließungen waren Mütter häufig isoliert und überfordert und durch Sprachprobleme in der digitalen Kommunikation eingeschränkt. Christoph Schwamborn zollte der Leistung der Beratungsstellen Respekt: „Hut ab – die Beraterinnen mussten ja auch noch ihr eigenes Leben unter Corona-Bedingungen organisieren.“

Im Fokus der Diskussion, zu der sich Teilnehmende zuschalten konnten, stand u.a. die Kinderbetreuung. Das ist auch für Mütter mit Migrationshintergrund ein zentrales Thema: Viele von ihnen wissen oft nicht genau, wie das System in Deutschland funktioniert und haben viele Fragen. Michaela Kreyenfeld wies darauf hin, dass die Kinderbetreuung häufig nicht kultursensibel sei. Petra Mackroth plädierte für den weiteren zügigen Ausbau der regulären Betreuungsangebote, damit gerade auch die Kinder migrantischer Mütter einen Platz finden und die Erwerbstätigkeit ihrer Mütter ermöglichen.

Außerdem riet Kreyenfeld dazu, die Vielfalt der Migrantinnen in den Blick zu nehmen. Die Gruppe der Migrantinnen sei sehr heterogen und reiche von der türkischen Heiratsmigrantin über die syrische Mutter mit mehreren kleinen Kindern bis zur hochqualifizierten Einwanderin aus Osteuropa oder einem Drittstaat.

Zukunftswünsche und -erwartungen

Die Träger des Stark-im-Beruf-Programms möchten für die Mütter mit Migrationshintergrund erreichbar bleiben und als Kontaktstelle weiterhin eine Anlaufstelle anbieten. Petra Mackroth (BMFSFJ) wies darauf hin, dass das innovative Programm bislang viele Impulse setzen konnte, die auch weiterhin in der Praxis ankommen werden. Das Stark-im-Beruf-Programm sei attraktiv und ein großer struktureller Erfolg, dessen Ansätze Schule machten. Das bestätigte auch Dr. Nicole Cujai (BA) und beschrieb, wie in ihrem Bereich z.B. durch die Ausgabe von Coaching-Gutscheinen und modularen, flexiblen Beratungsbausteinen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Frauen eingegangen werde. Die Expertise der Träger sei für die BA enorm wichtig. Sie empfahl den Trägern, vor Ort auszuloten, ob Maßnahmen für bestimmte Zielgruppen entwickelt werden könnten. Auch Petra Mackroth betonte, dass das Know-how der Träger nicht verloren gehen dürfe und empfahl ihnen, die Nähe zu Jobcentern – hier vor allem zu den BCA, zu Arbeitsagenturen und Unternehmen zu suchen.

Im Anschluss an den Livestream trafen sich die Teilnehmenden zum gemeinsamen digitalen Get-together und Austausch.

2. Tag – Die Workshops

Am zweiten Tag startete die SiB Trägerkonferenz 2020 mit einer Begrüßung von Christine Mühlbach (BMFSFJ) im virtuellen „Auditorium“, bevor es dann in den verschiedenen Workshops weiterging.

In zwei Phasen fanden parallele Workshops statt. Die Teilnehmenden konnten im Vorfeld zwischen folgenden Themen wählen:

  • Digitale Kommunikation und Tools im Einsatz, SiB Kontaktstelle KIZ Sinnowa
  • Social Media in der Praxis, neues handeln
  • Anerkennung ausländischer Qualifikationen und Angebote des Förderprogramms „Integration durch Qualifikation“ (IQ), ebb Entwicklungsgesellschaft für berufliche Bildung mbH
  • So machen Sie Lobbyarbeit für Ihre Kontaktstelle vor Ort! Strategien für langfristige kommunale Kooperationen, Rambøll
  • „Kinder gegen Corona“ als Integrationsprojekt, Stark im Beruf-Kontaktstelle ewibo, Bocholt
  • Erfolgsfaktoren und Herausforderungen bei der Integration aus Sicht der Unternehmen, Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) am Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Köln
  • Beratungsangebot zu finanztechnischen Fragen durch die Regiestelle, Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA)

Auch zum Abschluss des zweiten Tages folgten im virtuellen „Auditorium“ Ausklang und Feedback-Runde. Während des ganzen Tages konnten die Teilnehmenden sich dort aufhalten und interaktiv mit anderen Trägern, der Stiftung SPI oder dem Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend austauschen oder bei Bedarf in Breakout-Sessions in kleinerer Runde in den Dialog gehen.

Tag 3 – Die Weltencafés

Auch am letzten Tag begrüßte Christine Mühlbach (BMFSFJ) zusammen mit Dr. Jan Lorenz Wilhelm (Institut für Geografie, Universität Potsdam) die Teilnehmenden im virtuellen Auditorium für einen Tag in „Weltencafés“.

Die insgesamt vier Weltencafé-Runden zu unterschiedlichen Themen regten die Träger zu neuen Gedankengängen an und konnten gleichzeitig einen sehr guten Eindruck von der Arbeit der einzelnen Träger gewinnen. Die Ergebnisse dienen auch der programmbegleitenden Evaluation. Folgende Themen wurden intensiv diskutiert:

  • Alles neu durch Corona? Lessons learned; Anpassung von Konzepten
  • Gelingensfaktoren erfolgreicher Projektumsetzung
  • Programmweiterentwicklung
  • Verstetigung von Konzepten und Ansätzen

Zusätzlich gab es auch an Tag 3 im virtuellen „Auditorium“ wieder die Möglichkeit zum digitalen Austausch, der rege genutzt wurde. Nach den vier Runden Weltencafés fand abschließend eine Abschiedsrunde mit Dr. Wilhelm, der Stiftung SPI und dem zuständigen Fachreferat im Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend statt. Die Teilnehmenden freuten sich über die zahlreichen Anregungen und den gelungenen Austausch, den die Konferenz ermöglicht hat.