Potenziale zugewanderter Frauen für den Arbeitsmarkt nutzen

Frau mit Kopftuch aus dem Programm sitz am Laptop vor einem Regal
Zugewanderte Frauen brauchen Unterstützung beim Einstieg in den Arbeitsmarkt © Andreas Schöttke

04.11.2020

Die Potenziale und Erwerbswünsche zugewanderter Frauen müssen mehr gesehen werden – das zeigt eine neue Studie. Wie Migrantinnen bei ihrem Einstieg in den Arbeitsmarkt unterstützt werden können, war Thema einer Fachtagung.

Fachkräfte aus dem Ausland kommen häufig nicht alleine nach Deutschland, sondern mit ihren Familien. Frauen, die mit ihren Männern zugewandert sind, stehen dabei oft im Schatten ihres Partners. Ihre Potenziale und Erwerbswünsche müssen mehr gesehen werden – zu diesem Ergebnis kommt eine Expertise im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Auf einem Online-Forum zum Thema „Fachkräfte im Inland gewinnen ­– Potenziale aus dem Familiennachzug“ ging es am 4. November darum, wie Partnerinnen im Familiennachzug beim Einstieg in den Arbeitsmarkt unterstützt werden können.

Juliane Seifert, Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium:

Migration ist eine Familienangelegenheit. Darauf müssen wir reagieren und die Familien von neu einreisenden Fachkräften in unseren Regelangeboten mitdenken, sei es bei der Erstorientierung in Deutschland, bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, bei der Förderung ihrer Erwerbstätigkeit. So gewinnen wir Fachkräfte und halten Familien.

Hohe Qualifikation der Nachziehenden

Familiäre Gründe sind mittlerweile ein Hauptgrund für den Zuzug nach Deutschland. Das zeigt eine Studie des Deutschen Zentrums für Migrations- und Integrationsforschung (DeZIM). Mehr als ein Viertel der Migrantinnen und Migranten im erwerbsfähigen Alter ist seit 2005 aus familiären Gründen gekommen. 40 Prozent von ihnen stammen aus Staaten der Europäischen Union (EU). 60 Prozent der nachziehenden Partnerinnen und Partner haben einen Schulabschluss, der mit dem deutschen Abitur vergleichbar ist. Ein Drittel besitzt sogar einen Hochschulabschluss. Aber: Nur etwas mehr als die Hälfte von ihnen ist erwerbstätig.

Insbesondere zugewanderte Frauen mit Kindern benötigen eine passgenaue Unterstützung bei der beruflichen Orientierung und der Integration in den Arbeitsmarkt. Zu diesem Ergebnis kommen die Professorin Dr. Schahrzad Farrokhzad von der Technischen Hochschule Köln und der Diplom-Pädagoge Anno Kluß von der context GbR in ihrer Expertise. Angebote und Beratungen in Verwaltungsstellen können hier unterstützen.

Das Bundesprogramm „Stark im Beruf“

Um Mütter mit Migrationshintergrund beim Start ins Berufsleben zu unterstützen, hat das Bundesfamilienministerium das Bundesprogramm „Stark im Beruf“ , gestartet, das durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert wird. 90 Kontaktstellen gibt es bundesweit. Sie entwickeln individuelle Planungen für den Berufsweg der zugewanderten Frauen – häufig in enger Abstimmung mit Jobcentern und Arbeitsagenturen.