Welche Wege der Erwerbsintegration von Müttern mit Migrationshintergrund sind erfolgreich?

Caren Marks bei der Trägerkonferenz "Stark im Beruf" in Hannover © Foto: BAFzA / Herbert Jennerich

24.11.2017

Mutter, Migrantin, berufstätig: "Stark im Beruf" zieht auf der Trägerkonferenz in Hannover positive Bilanz

Am 19. und 20. November veranstaltete das Bundesfamilienministerium eine Konferenz zum ESF-Bundesprogramm "Stark im Beruf". Nach zweieinhalb Jahren Projektlaufzeit ziehen Fachleute, Vertreterinnen und Vertreter der Träger sowie Kooperationspartnerinnen und -partner eine positive Bilanz: Zwei Drittel der teilnehmenden Mütter sind am Arbeitsmarkt angekommen oder auf direktem Weg dahin.

Die Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesfamilienministerin, Caren Marks, betonte:

"'Stark im Beruf' baut auf die Motivation und die Talente von Müttern mit Migrationshintergrund auf. Ihre Potenziale wollen wir nutzen und sichtbar machen. Die rund 80 Kontaktstellen unterstützen sie gemeinsam mit den Jobcentern auf ihrem Weg in Arbeit."

Zugewanderte Mütter benötigen eine gute Erwerbsperspektive

Zum Auftakt der Konferenz diskutieren Jutta Höhne, wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, und Prof. Dr. Helen Schwenken, Universität Osnabrück, die Frage, inwieweit Mütter mit Migrationshintergrund als qualifizierte Fachkräfte oder nur in Mangelberufen gefragt sind. Die Expertinnen betonten, dass Mütter mit Migrationshintergrund häufig unterhalb ihres Qualifikationsniveaus in den Arbeitsmarkt einsteigen würden, was z.T. an fehlenden berufsbezogenen Sprachkenntnissen oder der mangelnden Anerkennung von Berufsabschlüssen liege. Für viele Mütter mit Zuwanderungsgeschichte stelle der Gesundheitsbereich einen beruflichen Einstieg dar. Für eine gute Erwerbsperspektive sei hier aber auch eine weitere Qualifizierung und Begleitung notwendig. Der zweite Teil der Diskussionsrunde nahm die Notwendigkeit von eigenen Arbeitsmarktprogrammen für Mütter mit Migrationshintergrund in den Blick. Dr. Matthias M. Mayer, Bertelsmann Stiftung, betonte, dass Arbeitsmarktprogramme generell stärker auf die Bedarfe von geflüchteten Frauen berücksichtigen müssten. Dr. Yuliya Kosyakova, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), verdeutlichte, dass Sonderprogramme besser die Heterogenität bestimmter Zielgruppen abbilden könnten.

Expertinnen berichteten aus ihren Programmen

„Stark im Beruf“ arbeitet Hand in Hand mit Programmpartnern auf überregionaler und lokaler Ebene. Die Vernetzung mit anderen Programmen und Initiativen stand deshalb im Mittelpunkt einer Expertenrunde. Alev Deniz vom IQ-Landesnetzwerk Berlin berichtete über Neuerungen im Bereich Anerkennung von Schul- und Berufsabschlüssen, so dem neu eingeführten Anerkennungszuschuss. Christine Mersch stellte das Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge vor. Petra Hemmersbach vom Kompetenzzentrum Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (Stab BCA) bei der Bundesagentur für Arbeit referierte zum Thema Teilzeitberufsausbildung.

Workshops fördern den Austausch

In Workshops erarbeiteten die Teilnehmenden gute Ansätze für die engere Zusammenarbeit mit den Jobcentern sowie zur weiteren Gewinnung und Motivation von Teilnehmerinnen. Kontaktstellen, die bereits gut aufgestellt sind und schon viele Frauen in Beschäftigung vermitteln konnten, gaben praktische Tipps weiter, beispielsweise beim Umgang mit der Wirtschaft. Durch die Flüchtlingsmigration der vergangenen Jahre hat sich vielerorts die Zielgruppe verschoben und Bedarfe verändert. Kontaktstellen, die bereits einen guten Weg mit geflüchteten Müttern gefunden und ihre Module erweitert haben, stellten ihre Erfahrungen heraus.