Kurze Dienstwege – passgenaue Angebote

Intensive und individuelle Beratung möglich machen – das Jobcenter im Landkreis Mayen-Koblenz weiß die besonderen Rahmenbedingungen als Kontaktstelle im ESF-Bundesprogramm „Stark im Beruf“ zu schätzen. Was das ausmacht und wo die Stärken liegen, hat uns das Team geschildert.

Doch in diesen Zeiten beginnt nahezu jedes Gespräch erst einmal mit einem Blick auf die besonderen Herausforderungen, die die Pandemie für die Arbeit in den „Stark im Beruf“-Kontaktstellen bereithält. Auch die Kontaktstelle im Landkreis Mayen-Koblenz hat auf Online-Betrieb umgestellt: Im ersten Schritt wurden allen 60 Teilnehmerinnen erst einmal E-Mail-Adressen eingerichtet. Die Teilnehmerinnen werden regelmäßig gecoacht, mehrsprachige Anleitungen und die Hilfe der eigenen Kinder räumten und räumen manche Hürde aus dem Weg. Inzwischen finden die Workshops über Zoom statt, selbst eine Bastelaktion im Herbst konnte digital durchgeführt werden. Der Einsatz hat sich gelohnt. „Nichts und niemand blieb auf der Strecke“, freut sich Sandra Reith, Sachgebietsleiterin im Jobcenter Landkreis Mayen-Koblenz.

Kristin Reuter und Arzu Yilmaz stehen vor einem Plakat mit der Überschrift "Mütter mit Migrationshintergrund in Beschäftigung".
Kristin Reuter (links) und Arzu Yilmaz (rechts) von der "Stark im Beruf"-Kontaktstelle des Jobcenters im Landkreis Mayen-Koblenz.

Doch es gibt einen Punkt, an dem sich die Kontaktstelle im Landkreis Mayen-Koblenz von anderen „Stark im Beruf“-Kontaktstellen unterscheidet: Während das örtliche Jobcenter für gewöhnlich überall ein wichtiger Kooperationspartner des ESF-Projekts ist, spielt es in Mayen-Koblenz als Projektträger selbst die Hauptrolle. Was das für die praktische Arbeit bedeutet, erklärt Mitarbeiterin Kristin Reuter: „Im Unterschied zu den ‘normalen‘ Arbeitsvermittlerinnen und -vermittlern hier im Jobcenter haben wir deutlich mehr Kontakt zu unseren Kundinnen. Wir machen Hausbesuche, begleiten die Frauen bei Terminen in Behörden oder Schulen und können auf ihre individuellen Bedürfnisse eingehen.“ Manchmal würden die Mitarbeiterinnen ganze Familien beraten. Sandra Reith ergänzt: „Mütter mit Migrationshintergrund sind nicht die am einfachsten zu vermittelnde Gruppe – sie brauchen gezielte Unterstützung, um die täglichen Herausforderungen meistern zu können.“ Da hilft es sehr, dass durch die enge Verbindung im Jobcenter die Zusammenarbeit mit den Arbeitsvermittlerinnen und -vermittlern besonders gut klappt. „Durch die kurzen Dienstwege zu den Kolleginnen und Kollegen stehen wir im regelmäßigen Erfahrungsaustausch und können deshalb manches Problem direkt und pragmatisch lösen“, bestätigt Mitarbeiterin Arzu Yilmaz aus der Kontaktstelle.

Und wie kam es nun zu diesem Entschluss, als Jobcenter nicht nur zu kooperieren, sondern sich selbst als Träger zu engagieren? Im Unterschied zu vielen anderen Jobcentern hat das Jobcenter Landkreis Mayen-Koblenz neben den Bereichen „Markt & Integration“ und „Leistung“ einen zusätzlichen Bereich „Projekte“ und schafft damit die Möglichkeit, Projekte zu konzipieren und durchzuführen. „Ich investiere viel Arbeit in die Recherche – wo gibt es gute Ansätze und durchaus auch finanzielle Mittel um Projektvorhaben zu unterstützen, zum Beispiel besonders benachteiligten Menschen zu mehr Teilhabe zu verhelfen“, erläutert Sandra Reith. „Das ESF-Projekt ‚Stark im Beruf‘ nimmt die zugewanderte Mutter mit minderjährigen Kindern in den Blick, auf die wir hier im Jobcenter besonders eingehen wollten. Mütter sind als Potentiale in der Arbeitswelt zu sehen und müssen teilweise erst lernen, sich selbst auch so wahrzunehmen.“ Die Arbeit in einem solchen Projekt bringt aber auch noch weitere Vorteile mit sich. Sandra Reith weist darauf hin, dass das Jobcenter Landkreis Mayen-Koblenz ISO-zertifiziert ist. Der Bereich „Projekte“ ist zusätzlich nach der vom Bundesarbeitsministerium  erlassenen Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zertifiziert. Dies ermöglicht es, als Projektträger Angebote zu entwickeln und selbst durchzuführen. „Man hat es selbst in der Hand“, betont Sandra Reith.

Alle Mitarbeiterinnen der „Stark im Beruf“- Kontaktstelle im Jobcenter Landkreis Mayen-Koblenz wünschen sich, dass das Projekt vor Ort in ähnlicher Weise weitergeführt wird. Arzu Yilmaz bringt es auf den Punkt: „Das Thema hört ja nicht auf, und vor allem Alleinerziehende mit Migrationshintergrund brauchen individuelle Unterstützung.“

Infos zum Projekt

Das Jobcenter Mayen-Koblenz bietet mit der Kontaktstelle „Stark im Beruf – Mütter mit Migrationshintergrund in Beschäftigung (MIB)“ aufsuchende Beratung. Mit fünf Standorten im Landkreis ist es breit aufgestellt. Die Projektmitarbeiterinnen beraten die Teilnehmerinnen ganzheitlich und individuell und können so bedarfsorientierte Hilfepläne aufstellen. „Wir fördern die Integration in den Arbeitsmarkt und schauen dabei auch auf das familiäre Umfeld“, erklärt Kristin Reuter. Um die Frauen bei Familienproblemen zu unterstützen, arbeitet das ESF-geförderte Projekt in einem breit aufgestellten Netzwerk. Neben den traditionellen Trägern der Wohlfahrtspflege und Familienbildung kooperiert das Projekt mit dem hauseigenen IQ Netzwerk und den vor Ort ansässigen Sprachkursanbietern.