„Wir konnten jetzt noch einmal neue Wege beschreiten“

Trotz Lockdown und Abstandsregelungen hat das Projekt „STAR – Stark im Beruf“, organisiert von der Gesellschaft für Projektierungs- und Dienstleistungsmanagement mbH, es geschafft, im Rahmen von „Stark im Beruf“ so viele Teilnehmerinnen wie in den vergangenen Jahren zu gewinnen.

Foto der Kontaktstellen-Mitarbeiterinnen Anna Korber und Sibylle Petry zusammen mit der Teilnehmerin Naciye Sargin vor einem Gebäude, in der Mitte steht ein Roll-up
Sibylle Petry und Anna Korber von der „Stark im Beruf“-Kontaktstelle in Paderborn zusammen mit der Teilnehmerin Naciye Sargin (v.l.n.r) @BANG | Gesellschaft für Projektierungs- und Dienstleistungsmanagement mbH

Aktiv trotz Lockdown

Sibylle Petry, Projektleiterin des Beruflichen Ausbildungsnetzwerkes im Gewerbebereich, war geschockt: „Am 17. März kam die Ankündigung des Lockdowns, kurz darauf die Ansage: Keine persönlichen Termine bis Anfang Mai. Für uns war das natürlich schlimm. Wir mussten uns erstmal neu sortieren.“ Für Petry war sofort klar: „Wir müssen mit den Frauen im Kontakt bleiben. Zuerst per Telefon, später sind wir dann auf virtuelle Meetings umgestiegen. Bei den Frauen gab es natürlich sehr viele Unsicherheiten und Belastungsfaktoren, weil die meisten von ihnen Kinder betreuen. Da haben wir auch versucht, telefonisch zu unterstützen.“ Auch in anderen Bereichen hat das Thema Digitalisierung an Bedeutung gewonnen: „Wir bieten für ein Jahr eine kostenlose Lizenz für eine Sprachplattform an. Das konnten wir in der Zeit natürlich gut für diejenigen nutzen, die ihr Deutsch verbessern wollten“, erzählt Petry.

Ab Mai durften mit entsprechendem Hygienekonzept die Präsenztermine wieder stattfinden, das Sprachcafé konnte nach den Sommerferien mit fünf statt zehn Frauen wieder öffnen. Sibylle Petry ist froh über die Entwicklung: „Die Termine wurden sehr gerne wahrgenommen, da die Zeit ohne Kontakte für die Frauen eine große Belastung war. Viele leben in engen Verhältnissen und durch die gesperrten Spielplätze hatten die Kinder kaum noch Möglichkeiten sich auszutoben. Vor allen Dingen das gemeinsame Zusammensitzen im Sprachcafé hat den Frauen gefehlt.“ In Kooperation mit der DLRG und dem Frauennetzwerk konnte sie auch wieder zwei Plätze in einem Schwimmkurs vermitteln. „Sie fragen sich sicherlich, was ein Schwimmkurs mit ‚Stark im Beruf‘ zu tun hat“, sagt Petry schmunzelnd. „Uns geht es darum, Frauen auf ihrem Weg zu bestärken. Schwimmen lernen stellt ein Empowerment dar, das auch auf die Bereiche Familie und Arbeit ausstrahlt.“

Viel gelernt und gut vernetzt

Auch während der Corona-Pandemie hat die „Stark im Beruf“-Kontaktstelle BANG Erfolge vorzuweisen. Besonders mit dem Jobcenter gab es einen intensiven und fallbezogenen Austausch: Einige Teilnehmerinnen konnten eine Arbeit aufnehmen oder ins Praktikum starten. Bis Oktober konnte die Kontaktstelle 30 neue Teilnehmerinnen gewinnen, was fast der Anzahl vom Vorjahr entspricht. „Dieses Jahr waren wir natürlich besonders aktiv und haben Institutionen sowie Familienzentren direkt angesprochen. Aber auch unsere Frauen waren aktiv und haben im Freundes- und Bekanntenkreis nachgefragt. Außerdem ist ein Presseartikel veröffentlicht worden, wodurch auch noch Anfragen kamen.“ Sibylle Petry hat vieles dazu gelernt seit Beginn der Pandemie und ist zufrieden mit der Arbeit des BANG Projekts: „Wir sind sehr gut vernetzt im Ort und konnten jetzt durch die Corona-Zeit noch einmal neue Wege beschreiten. Auch in dieser Zeit ist es eine schöne Aufgabe, mit dieser Zielgruppe zu arbeiten. Der Bedarf ist da und wir dürfen die Frauen jetzt nicht allein lassen.“ 

Als größte Herausforderung nennt Sybille Petry, den richtigen Beratungsansatz für die Lebenssituation der einzelnen Teilnehmerinnen zu finden. Diese sei sehr unterschiedlich hinsichtlich technischer Ausstattung, IT-Affinität und Terminflexibilität. 

Infos zum Projekt

Die im Kreis Paderborn ansässige „Stark im Beruf“-Kontaktstelle begleitet und coacht Frauen für zehn Monate mit dem Ziel, sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren. „Die Frauen erfahren in den ersten vier Monaten ein sehr intensives Coaching, bei dem sie normalerweise dreimal pro Woche in Einzel- und Gruppentreffen bei uns vor Ort sind“, erzählt Petry über das Programm. „Im Sprachcafé haben sie außerdem die Möglichkeit, sich auszutauschen und gemeinsam zu lernen.“ Dabei hat die Kontaktstelle einen bestimmten Fokus: „Besonders die Themen ‚Umschulung‘ und ‚Qualifizierungsmaßnahmen‘ liegen uns am Herzen. Wir zielen immer darauf ab, dass die Frauen ein Stück weiterkommen“, so Petry. Mit zum Programm gehören außerdem regelmäßige Besuche von Firmenvertretern sowie Unternehmensbesichtigungen.