„Corona-Regeln verunsichern unsere Teilnehmerinnen nicht mehr“

Abstandsregeln, Maske tragen und Hygienekonzept gehören mittlerweile zum Alltag. Die „Stark-im-Beruf“-Kontaktstelle des Frauennetzwerks zur Arbeitssituation e.V. hat es geschafft, die in der Corona-Pandemie entstandene „neue Normalität“ gewinnbringend für sich zu nutzen – durch innovative digitale und analoge Methoden.

„Von einem auf den anderen Tag hieß es, dass sämtliche Präsenzangebote gestoppt werden müssen“, erinnert sich Majra Nissen, Beraterin in der „Stark-im-Beruf“-Kontaktstelle des Frauennetzwerks zur Arbeitssituation e.V. in Kiel. „Auch wir hatten ab dem 16. März komplett geschlossen.“ 

Majra Nissen vom Frauennetzwerk zur Arbeitssituation e.V. steht vor einer Flipchart.
Majra Nissen vom Frauennetzwerk zur Arbeitssituation e.V. in Kiel @ Frauennetzwerk zur Arbeitssituation e.V.

Mithilfe neuer Methoden: Empowerment trotz Lockdown

In der Zeit des Lockdowns mussten Majra Nissen und ihr Team dann erstmal alle Präsenzangebote absagen. Schnell fanden sie neue Wege: „Wir im Frauennetzwerk haben sofort nach Möglichkeiten gesucht, Beratungen im Videochat anzubieten. Auch der Kontakt über Mail und Telefon war weiter möglich“, erklärt Nissen. Herumsitzen und nur auf Lockerungen der Corona-Regeln warten wollte das Team auf keinen Fall: „Wir haben die Zeit ab Mitte März ganz stark für konzeptionelle Arbeit und die Weiterentwicklung des Projektes genutzt. Die Entwicklung neuer Methoden, Materialien, Workshop-Pläne oder Akquise-Strategien hat uns inhaltlich super vorangebracht. Das merken wir jetzt ganz stark, wo es wieder losgeht.“ Und das wird auch am Erfolg des Projekts sichtbar: Eine alleinerziehende dreifache Mutter aus Ghana konnte im Sommer erfolgreich ihre Umschulung zur Hauswirtschafterin beginnen. Außerdem schaffte es eine Frau aus dem Irak, eine Qualifizierung zur Hilfskraft in der Altenpflege zu starten. Majra Nissen ist stolz auf die Frauen: „Das sind zwei Beispiele, bei denen wir gemerkt haben, dass die Begleitung, das Stärken, das Empowern – auch wenn alles gerade ein bisschen schwieriger ist – der Schlüssel zum erfolgreichen Handeln ist. Gleichzeitig spiegelt ein positives Beispiel natürlich auch in die Gruppe zurück. Für alle Teilnehmerinnen ist es motivierend, wenn eine ehemalige Teilnehmerin über ihre erfolgreiche Vermittlung spricht.“

Präsenztermine unter Hygieneregeln: Die eigene Zukunft wieder in den Blick nehmen

Das Projekt verzeichnet keine Abbrüche in diesem Jahr. Seit Juli können in Kiel, Flensburg und Lübeck wieder Präsenztermine stattfinden. Frau Nissen ist froh über die Entwicklung: „Die Frauen haben sich sehr gefreut, wieder zu uns zu kommen und eine Struktur in der Woche zu haben. Vor allem die starke Verunsicherung durch Corona, die teilweise sehr beengten Wohnverhältnisse und die ungesicherte Kinderbetreuung waren eine große Belastung. Jetzt endlich wieder die eigene Zukunft in den Blick nehmen zu können, ist sehr ermutigend für die Frauen.“ Unter Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln kann auch der Workshop wieder stattfinden. Wenn eine Gruppe zu groß ist, wird sie halbiert. Ob das in den nächsten Monaten so weitergehen kann, weiß Majra Nissen noch nicht: „Wir beobachten die Zahlen natürlich weiterhin mit Sorge. Bis zum jetzigen Zeitpunkt, Stand Oktober 2020, macht sich bei den Teilnehmerinnen und uns aber eine ‚neue Normalität‘ bemerkbar, die es uns ermöglicht, wieder einen Fokus auf die beruflichen Ziele der Frauen zu legen. Corona-Regeln verunsichern unsere Teilnehmerinnen nicht mehr.“ Im Projekt läuft nun vieles wieder so wie vor der Corona-Pandemie.

Infos zum Projekt

Die in Kiel, Lübeck und Flensburg angesiedelte „Stark im Beruf“-Kontaktstelle begleitet und unterstützt Mütter mit Migrationshintergrund oder Fluchtgeschichte beim Einstieg ins Erwerbsleben. Die Zielgruppe ist sehr weit gefächert. „Von Frauen mit Migrationshintergrund, Asylbewerberinnen, anerkannten geflüchteten Frauen oder Migrantinnen mit anderem Aufenthaltsstatus – jede kann an unserem Projekt teilnehmen“, erzählt Nissen. „Genauso unterscheiden sich unsere Teilnehmerinnen in ihrem Sprachniveau, ihren beruflichen Hintergründen und ihrer Aufenthaltsdauer in Deutschland.“ Das auf sechs Monate angelegte Angebot betreut die Frauen in einem einmal in der Woche stattfindenden Workshop sowie in mehreren Einzelcoachings, die flexibel von der Teilnehmerin festgelegt werden. „Die zeitliche Struktur macht unser Angebot besonders“, sagt Nissen, „Wir haben viele Frauen, die parallel einen Sprachkurs besuchen oder einen Minijob ausüben – so wird für jede eine passende Beratung gefunden.“