Saarpfalz-Kreis: Erhöhter Beratungsbedarf im vergangenen Jahr

Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Neuerungen und Einschränkungen stellten auch die Mitarbeiterinnen die „Stark im Beruf“- Kontaktstelle des Frauenbüros des Saarpfalz- Kreises vor Herausforderungen. Trotz oder gerade wegen des Lockdowns verzeichnete es im vergangenen Jahr einen Zuwachs bei seinen Beratungszahlen.

„Wir waren die ganze Zeit über telefonisch erreichbar – und unter Wahrung der Hygieneregeln sogar weitgehend vor Ort im persönlichen Gespräch. Das hat uns von vielen anderen Trägern und Institutionen unterschieden und ich denke, das erklärt den verstärkten Zulauf“, erläutert Susanne Nimmesgern vom Frauenbüro. Viele Frauen litten besonders unter der sozialen Isolation und nahmen die Möglichkeit zum direkten Austausch dankbar an. Dazu kamen Kundinnen aus stark von der Pandemie getroffenen Wirtschaftsfeldern, die ihre Arbeitsplätze verloren hatten und sich nun umorientieren mussten. Auch bot die Zeit des verordneten Stillstands vielen die Gelegenheit, sich intensiv mit den eigenen Wünschen zu befassen und eine Bestandsaufnahme des bisher Erreichten zu machen. „Dabei stellte sich dann häufig heraus, dass die Frauen eigentlich gerne etwas anderes mit ihrem Leben machen möchten, aber nicht wissen, wie sie dieses Ziel konkret angehen sollen“, ergänzt ihre Kollegin Nadeschda Schmidt.

"Stark im Beruf" Teilnehmerin mit Mundschutz an Nähmaschine im Saarpfalz-Kreis

Neue Technik, neue Wege

Andere liebgewonnene Angebote des Projektes konnten zunächst leider nicht in gewohnter Form weitergeführt werden, so z. B. die Sprachangebote oder das Interkulturelle Frauencafé, das über viele Jahre ein Anlaufpunkt für Frauen verschiedener kultureller und sozialer Hintergründe geworden ist. Neue Wege mussten beschritten werden: Schnell fand sich eine Gruppe regelmäßiger Besucherinnen per WhatsApp-Videochat zusammen, um sich zur gewohnten Cafézeit virtuell zu treffen. Ayse Tas-Ilan vom Verein Frau & Gesellschaft organisierte die Zusammenkünfte und drehte zusätzlich kurze Videos mit Tipps zur kreativen Freizeitgestaltung, die den Zuhausegebliebenen auch weiterhin die Möglichkeit zu Zusammenkunft und Austausch eröffneten. Selbst die Sprachkurse wurden anfangs auf diese Weise fortgesetzt, berichtet Hadeel Alsmadi von Stark im Beruf: „Über WhatsApp konnte ich den Teilnehmerinnen Aufgaben schicken und den Kontakt mit ihnen halten, bis ab Juni wieder Präsenzkurse möglich waren.“ 

Um auch die Teilnehmerinnen zu erreichen, die technisch nicht so versiert sind, gab es während des ersten Lockdowns das Angebot, gemeinsam Masken zu nähen und dabei Deutsch zu üben. Viele Frauen nahmen diese Möglichkeit gern an.

„Wir haben das Beste daraus gemacht.“

Nach den Lockerungen organisierte das Team eine Veranstaltung bei einem in Homburg ansässigen Supermarkt, wo es Informationen zur Arbeit im Einzelhandel und zum Thema gesunde Ernährung gab. Eine der Teilnehmerinnen erhielt nach einem Praktikum dort sogar ihre Festanstellung. Auch ein Praktikum in einem örtlichen Altenheim mündete für eine Projektteilnehmerin in einen Minijob. „In der Rückschau können wir durchaus von einem erfolgreichen Jahr sprechen. Wir mussten uns wie alle anderen auch erst an die neue Situation gewöhnen, aber ich glaube im Großen und Ganzen haben wir das Beste für unsere Teilnehmerinnen daraus gemacht,“ fasst Birgit Rudolf, Frauenbeauftragte des Saarpfalz-Kreises und Projektleiterin von „Stark im Beruf“, zusammen und versichert: „Natürlich stehen die Mitarbeiterinnen auch in diesem Jahr ratsuchenden Frauen tatkräftig zur Seite.“

Infos zum Projekt

Das Projekt „Stark im Beruf – Berufliche Integration für Mütter“ im Saarpfalz-Kreis begleitet Mütter mit Migrationshintergrund mit Informationen zu beruflichen Perspektiven und ermutigt sie, erste Berufserfahrungen zu sammeln. Organisiert ist diese Unterstützung in unterschiedlichen Modulen: entweder einem dreimonatigen Gruppencoaching mit vorgeschaltetem sechswöchigen Intensivsprachtraining und einem vierwöchigen Orientierungspraktikum oder einem drei- bis viermonatigem Individualcoaching mit wöchentlichen Einzelterminen und der Vermittlung in ein sechswöchiges Praktikum. So passen sich die Angebote an die Bedürfnisse der Teilnehmerinnen an. Ergänzt werden die Module durch offene Sprachtrainings auf verschiedenen Niveaus, Bildungs- und Berufsberatung, Betriebsbesichtigungen, EDV-Training sowie durch die Unterstützung bei Bewerbungen. Die „Stark im Beruf“- Kontaktstelle wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, dem ESF sowie dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie Saarland gefördert.