In Zeiten der Pandemie: Berufliche Kenntnisse und viel alltagspraktische Hilfe in Zwickau

Sich in Lockdown-Zeiten zu helfen wissen, den Kontakt nicht zu verlieren und über die berufsbezogenen Themen hinaus mit praktischer Lebenshilfe für die Teilnehmerinnen da sein: In Zwickau hat die Kontaktstelle des ESF-Bundesprogramms „Stark im Beruf“ des CBZ-Bildungszentrums die Corona-Pandemie bisher gut gemeistert und blickt zuversichtlich ins neue Jahr.

„Das war wirklich eine Punktlandung.“ Mit einem Augenzwinkern erzählt Anett Czerny, dass ausgerechnet am 19. März 2020 – also quasi mit Beginn des ersten Lockdowns eigentlich der neue Stark-im-Beruf-Kurs für 24 Teilnehmerinnen starten sollte. Die Dozentin im Projekt der CBZ (Chancen-Bildung-Zukunft)-Gruppe am Standort Zwickau musste kurzfristig umschalten: Der Postweg war zunächst die einzige Möglichkeit, die Frauen zu erreichen und ihnen die notwendigen Unterlagen zuzuschicken. Die meisten von ihnen meldeten sich zurück, so dass von da an mit Telefongesprächen und Video-Chats der Kontakt gehalten werden konnte. Doch anfangs war es nötig und wichtig, auch persönlich zu kommunizieren: „Ich bin in der ersten Zeit von Haus zu Haus gefahren, um von der Straße aus den Frauen zu erklären, wie es jetzt weitergeht und wie wir in Verbindung bleiben können“, berichtet Anett Czerny. „Auf diese Weise fassten sie Vertrauen.“

Annett Czerny vom CBZ-Bildungszentrum in Zwickau an der interaktiven Tafel
Annett Czerny vom CBZ-Bildungszentrum in Zwickau an der interaktiven Tafel

Kommunikation auf vielen Wegen

Grundsätzlich hatten fast alle Frauen zumindest Zugriff auf ein Smartphone oder einen Laptop mit Internetverbindung. Doch damit waren nicht alle Schwierigkeiten aus der Welt geschafft: Das Smartphone gehört vielleicht dem Ehemann oder einem der Kinder, die es in Zeiten von Homeschooling und Kontaktbeschränkung selber regelmäßig nutzen mussten. Bei Bedarf hat das CBZ-Bildungszentrum Endgeräte zur Verfügung gestellt, um die Situation zu entlasten. „Außerdem haben wir die Kanäle variiert, um möglichste viele Wege der Ansprache zu nutzen“, erläutert Anett Czerny. „Unsere Aufgaben haben wir beispielsweise per E-Mail verschickt, erklärt haben wir vieles dann über Messenger-Dienste. Analphabetinnen konnten wir per Sprachnachricht oder über Fotos erreichen.“

Praktische Lebenshilfe im Lockdown

Die Vermittlung von Kenntnissen war auf diese Weise möglich, aber auch nicht immer einfach. Umso wichtiger waren auch andere Hilfen, die Czerny und ihre Kolleginnen den Kursteilnehmerinnen anbieten konnten. Denn das Leben im Lockdown zu meistern, hat an sie besonders hohe Anforderungen gestellt: Meist geringe Sprachkenntnisse und beengte Wohnverhältnisse haben ihre Situation verschärft und konnten zusätzlich verunsichern. „In dieser Phase haben wir vermehrt ganz alltagspraktische Hilfe geleistet und zum Beispiel Gesundheitsprävention, Hausaufgabenunterstützung für die Schulkinder oder Bewegungsspiele für die Kleinen angeboten“, erläutert Anett Czerny. Auch die Tatsache, dass durch Schul- und Kitaschließungen die Kinder zu Hause essen mussten, erforderte ein Umplanen: „Plötzlich mussten viel mehr Lebensmittel eingekauft werden. Unsere Teilnehmerinnen waren froh, dass wir ihnen Tipps gegeben haben zu Kosten und Preisen bis hin zum Führen eines Haushaltsbuchs, damit sie ihr Budget im Blick behalten konnten.“ Insgesamt zieht Anett Czerny ein positives Fazit: Auch wenn die Freude natürlich groß war, als im Sommer wieder Präsenzangebote möglich waren, so habe die Betreuung gut funktioniert in der Zeit des ersten Lockdowns. Das zeigt sich auch am Ergebnis: Drei der Teilnehmerinnen konnten 2020 in Arbeit vermittelt werden, weitere 16 in qualifizierende Maßnahmen für den Jobeinstieg.

Positiver Ausblick auf 2021

Wie lange der aktuelle Lockdown noch dauert, kann derzeit niemand voraussagen. Die „Stark im Beruf“ - Kontaktstelle plant, am 8. Februar 2021 den neuen Kurs mit 24 Teilnehmerinnen zu starten. Vielleicht muss Anett Czerny dann auf die Erfahrungen aus dem letzten Frühling zurückgreifen. Technisch hat das Bildungszentrum aufgerüstet: Mit einer digitalen interaktiven Tafel können Videos zu Lerninhalten aufgenommen und verschickt werden. Sobald wieder Präsenztermine möglich sind, hat Czerny bereits einen Plan: „Wir teilen die Teilnehmerinnen auf in drei Gruppen, damit wir die Abstandsregel einhalten können.“ Sie ist optimistisch und freut sich auf die neue Runde mit zumeist hochmotivierten Frauen, denen Stark im Beruf nicht nur das berufliche Fuß-Fassen erleichtert.

Infos zum Projekt

Das CBZ-Bildungszentrum als Teil der CBZ-Gruppe unterstützt als Kontaktstelle des ESF-Bundesprogramms „Stark im Beruf“ an seinem Standort Zwickau Mütter mit Migrationshintergrund oder Fluchtgeschichte beim (Wieder-) Einstieg ins Erwerbsleben. Die Teilnehmerinnen kommen vor allem aus Afghanistan, Iran, Irak, Syrien, Russland oder Tschetschenien. Die meisten von ihnen haben nur eine geringe Schulbildung, einige sind Analphabetinnen. „Unsere Aufgabe besteht auch darin den Frauen dabei zu helfen, erst einmal eine Lebens- und Tagesstruktur im neuen Land aufzubauen“, sagt Anett Czerny. Die Kurse dauern neun Monate und bieten einmal pro Woche vierstündige Workshops an. Außerdem gibt es individuell vereinbarte Einzelcoachings, die sich zeitlich gut mit familiären Verpflichtungen, Sprachkurs-Terminen oder einem Minijob vereinbaren lassen. Ergänzt werden diese Angebote zum Beispiel durch Kochaktionen gemeinsam mit deutschen Kursteilnehmerinnen, die die Akzeptanz erhöhen und dabei helfen Vorurteile abzubauen. Das CBZ-Bildungszentrum gehört zum Zwickauer „Netzwerk Migration“ und kooperiert besonders eng mit Jobcenter und Sozialamt. Die CBZ-Gruppe ist ein privates Unternehmen der Fort- und Weiterbildung.