Vernetzung vor Ort erhöht die Erfolgschancen

Mit einer Mischung aus individuellen Coachings und Gruppenangeboten begleitet die „Stark im Beruf“-Kontaktstelle der AWO SPI in Halle (Saale) Mütter mit Migrationshintergrund beim Berufseinstieg. Damit verfolgt das ESF-Projekt drei Ziele: Aktivieren, Sensibilisieren und Vernetzen. Stichwort Vernetzen: Besonders erfolgreich gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter.

Vorweg: Die Covid19-Pandemie führt auch in Halle zu Einschränkungen und Anpassungen in der Arbeit der Beraterinnen. Gruppenangebote können derzeit nicht stattfinden, individuelle Beratungen laufen per Mail oder telefonisch. „Da auch die Sprachkurse ausfallen, sind viele Teilnehmerinnen zur Zeit etwas ausgebremst“, bedauert Projektleiterin Christiane Maue. Zugleich betont sie: „Wir halten Kontakt zu den aktuell 39 Frauen, auch wenn die fehlende Technik es hier und da erschwert, und begleiten sie in allen Fragen rund um Beruf und Alltag – überall da, wo es notwendig ist.“

Teilnehmerinnen der Veranstaltung sitzen gemeinsam am Frühstückstisch.
Februar 2019: Frauenfrühstück veranstaltet in Kooperation mit dem Verband der Migrantenorganisationen Halle, Projekt samo.fa und dem Dachverband der Migrantinnenorganisationen (DaMigra) e.V., Projekt MUTmacher*innen

Stark im Beruf-Kontaktstelle und Jobcenter Hand in Hand

Pandemiebedingt pausiert derzeit auch das Modul Orientas, das die „Stark im Beruf“-Kontaktstelle mit Unterstützung des Jobcenters Halle durchführt. Bei Orientas handelt es sich um einen Stationspark zur Berufsorientierung, der am Standort der Kontaktstelle im Mehrgenerationenhaus „Pusteblume“ angeboten wird. Er kann von allen Menschen genutzt werden, die ihre beruflichen Kompetenzen und Interessen besser einschätzen wollen. Auch die „Stark im Beruf“-Teilnehmerinnen haben das Modul vor der Pandemie rege genutzt. Orientas wird vom Jobcenter Halle finanziert und ist ein Beispiel dafür, wie gut die Zusammenarbeit zwischen der „Stark im Beruf“-Kontaktstelle und dem örtlichen Jobcenter – und hier vor allem mit der Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (BCA) funktioniert. „Die einzelnen Schritte sind sehr gut aufeinander abgestimmt, eins greift ins andere“, bestätigt Christiane Maue. Von der Akquise der Teilnehmerinnen über die Anträge für Sprachkurse bis zum direkten Kontakt zu den Integrationsfachkräften gestaltet sich die Kooperation unbürokratisch und effizient.

Auch Jan Kaltofen, Geschäftsführer des Jobcenters in Halle (Saale), freut sich über die schon seit vielen Jahren bestehende gute Zusammenarbeit mit dem Projektträger AWO SPI. Gerade der schnelle Wandel und die zunehmende Komplexität von Herausforderungen und Aufgaben, die von einzelnen Akteuren nicht mehr allein bewältigt werden könnten, erforderten das Zusammenarbeiten in Netzwerken und Kooperationen zwischen Organisationen. „Die gesellschaftliche Integration ist eng verbunden mit der Integration in den Arbeitsmarkt. Gerade Mütter mit Migrationshintergrund haben immer noch deutlich schlechtere Teilhabechancen am Arbeitsmarkt als andere Frauen und Mütter. Sie müssen bestehende Sprachbarrieren überwinden, benötigen Kinderbetreuungsangebote und sind häufig durch ihre familiären Aufgaben in ihrer Berufswahl und -ausübung eingeschränkt“, erklärt Jan Kaltofen und betont: „Mit der Unterstützung der Stark im Beruf-Kontaktstelle ist es uns bisher gut gelungen, für die Mütter mit Migrationshintergrund weitere Perspektiven zu schaffen, die sowohl die Integration in das gesellschaftliche Leben als auch in den Arbeitsmarkt ermöglichen.“

Erfolgreich in der Vermittlung

Die Kooperation trägt Früchte. Christiane Maue berichtet von einer 30jährigen Syrerin mit Studienabschuss in Englischer Literatur und guten Deutschkenntnissen, die schon in ihrer Heimat für ein UNICEF-Projekt gearbeitet hatte. Sie hat nach vielen Bewerbungen mit Unterstützung durch „Stark im Beruf“ und Jobcenter eine unbefristete Stelle als Jobcoach in der Transfer GmbH Leipzig gefunden. Einer syrischen Biochemie-Studentin mit dem Berufswunsch Laborassistentin konnte ein Praktikum in der Uniklinik vermittelt werden. „Viele Frauen aus Syrien oder Afghanistan haben einen guten Bildungsstand und lassen sich hier gern als pädagogische Fachkraft ausbilden“, erklärt Christiane Maue. Diese Qualifizierung wird im Bundesland Sachsen-Anhalt angeboten, entspricht in etwa der einer Kinderpflegerin und kann sinnvoll in Kitas und Ganztagsschulen eingesetzt werden, um Kinder mit Fluchthintergrund sprachlich zu unterstützen.

Gut vernetzt

Christiane Maue freut sich darüber, dass ihre „Stark im Beruf“-Kontaktstelle über das Jobcenter hinaus vor Ort gut eingebunden ist. In Halle gibt es das Netzwerk Migration und Integration, in dem sich viele Partnerprojekte auch für die Belange migrantischer Frauen einsetzen. Gemeinsam mit dem Malteser Hilfsdienst wurden zum Beispiel ein Computer- und ein Fahrradkurs organisiert. Insgesamt setzen sich in Halle über 100 Personen aus 75 Vereinen, Verbänden, Migrantenorganisationen, öffentlichen Einrichtungen, Wirtschaft und Stadtverwaltung für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ein.

Infos zum Projekt

Die Mitarbeiterinnen der „Stark im Beruf“-Kontaktstelle bei der gemeinnützigen AWO SPI Soziale Stadt und Land Entwicklungsgesellschaft mbH bieten Müttern mit Migrationshintergrund berufliche Orientierungshilfe innerhalb des Unterstützungsangebots im Stadtgebiet und sichern den Zugang und die Vermittlung zu weiterführender Beratung. „Wir setzen stark auf individuelle Angebote und führen intensive Einzelgespräche“, berichtet Christiane Maue. In „normalen“ Zeiten finden ergänzend regelmäßig Gruppenveranstaltungen statt. „Wir laden unsere Teilnehmerinnen ein zum Frauenfrühstück, zum Fahrradkurs oder zum Kommunikationskurs“, so die Projektleiterin. „Gemeinsam mit dem Quartiersmanagement in Halle Neustadt führen wir Stadtteilspaziergänge durch, bei denen die Frauen auch örtliche Einrichtungen wie die Kleiderkammer oder das Jugendzentrum kennenlernen.“ Seit Januar 2019 wurden 69 Frauen im ESF-Projekt beraten.