Praxisporträt Berlin: Kooperation des IBCC mit den Vivantes Kliniken

Ilknur Gümüs
Ilknur Gümüs, Leiterin des IBBC

Im Gesundheits- und Pflegebereich fällt es Arbeitgebern in vielen Regionen bereits schwer, offene Stellen mit qualifizierten Fachkräften zu besetzen. Auch das Berliner Klinikunternehmen Vivantes ist sich dieser Entwicklung bewusst und hat sich der Herausforderung gestellt. Mit Hilfe von „Stark im Beruf“ und der Unterstützung durch den Projektpartner Interkulturelles Beratungs- und Begegnungs-Centrum e.V. (IBBC) hat das Unternehmen motivierte Auszubildende gesucht und gefunden.

 „Vielfalt ist für uns ein wichtiger Erfolgsfaktor“

Für Ulrich Söding, Leiter des Instituts für berufliche Bildung im Gesundheitswesen (IbBG) der Vivantes Kliniken, ist der aktuelle Mangel an qualifizierten Arbeitskräften im Gesundheits- und Pflegebereich keine Überraschung: „Zum Glück haben wir schon früh in die Statistiken geschaut und den demografischen Wandel rechtzeitig erkannt. Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen sinkt nicht nur in Folge der zurückgehenden Zahl von Schulabsolventen, sondern auch wegen des nachlassenden Interesses an der dualen Ausbildung. Aufgrund dieser Situation haben wir überlegt, wie wir Menschen für den Pflegebereich gewinnen können und dabei auch gezielt Personen gefördert, die erst einmal durch das übliche Auswahlraster herausfallen.“ Besonders im Pflegebereich spiele die kulturelle Kompetenz und Vielfalt der Beschäftigten eine wichtige Rolle – schließlich stellen die Patienten einen Querschnitt der Bevölkerung dar mit unterschiedlichsten kulturellen und religiösen Hintergründen. Um sie bestmöglich versorgen zu können, sind Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen unverzichtbar, die die spezifischen Bedürfnisse kennen und auf sie eingehen können. „Abgesehen von der Sprache kennen die Teilnehmerinnen von „Stark im Beruf“ Verhaltensweisen, Gewohnheiten oder Restriktionen, die kulturell oder religiös bedingt sind. Diese Inhalte kann man über Lehrbücher nur schwer vermitteln. Ich finde, wir müssen auch wegkommen von dieser Defizitorientierung – sie können die Sprache und dieses und jenes nicht – dafür können diese Frauen ganz andere Dinge! Für uns ist gerade die Vielfalt ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor“, begründet Ulrich Söding sein Engagement für „Stark im Beruf“. 

„Selbstbewusstsein und fachliche Vorbereitung sind entscheidend“

Den Bedarf an zweisprachigen Fachkräften mit interkulturellen Kompetenzen hat auch Ilknur Gümüs vom Interkulturellen Beratungs- und Begegnungs-Centrum e.V. (IBBC) erkannt. „Der Beruf der Gesundheits- und Krankenpflegerin ist bei vielen Frauen mit Migrationshintergrund eigentlich sehr gut angesehen und auch gefragt. Viele trauen sich jedoch nicht, sich für einen Ausbildungsplatz zu bewerben“, erklärt die Leiterin der Neuköllner Einrichtung die geringe Bewerberzahl von Frauen mit Migrationshintergrund. Um interessierte Mütter mit Unternehmen aus dem Pflegebereich und anderen Bereichen zusammenzubringen, bietet das IBBC im Rahmen von „Stark im Beruf“ Vorbereitungskurse an, durch die die Teilnehmerinnen gezielt auf eine Ausbildung vorbereitet und anschließend in Praktika in kooperierende Unternehmen vermittelt werden. In den ersten beiden Runden zwischen April 2015 und Februar 2016 konnten 27 Teilnehmerinnen auf eine Arbeits- oder Ausbildungsaufnahme vorbereitet werden, von denen heute bereits elf Teilnehmerinnen erfolgreich einer Arbeit oder Ausbildung nachgehen. 

„Gegenseitiges Vertrauen stärkt die Zusammenarbeit“

Das Angebot des IBBC weiß Ulrich Söding sehr zu schätzen: „Durch den Fokus beispielsweise auf den Gesundheitsbereich findet in den Kursen des IBBC bereits eine erste fachliche Orientierung statt. Es werden aber auch wichtige Kompetenzen wie Lerntechniken, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit vermittelt. Die Teilnahme an den Kursen stärkt auch das Selbstbewusstsein der Frauen – das ist ein ganz entscheidender Aspekt, um später in der Ausbildung und der Arbeitswelt bestehen zu können.“ 

Die Kooperation besteht bereits seit dem Jahr 2010, aktuell absolvieren 4 Teilnehmerinnen von Stark im Beruf Praktika bei den Vivantes Kliniken. „Das gegenseitige Vertrauen, das sich über die Zeit herausgebildet hat, macht unsere Zusammenarbeit so erfolgreich. Es ist wichtig, in einem engen Dialog miteinander zu stehen und die Erwartungshaltungen zu klären. Wir tauschen uns auch darüber aus, welche Unterstützungsbedarfe es gibt und wie unser Anforderungsprofil aussieht. So kann der IBBC sehr gezielt vorbereiten“, erklärt Ulrich Söding das Erfolgsrezept. Auch Ilknur Gümüs ist sehr an dem vertrauensvollen Umgang gelegen: „Wir schicken nur die Teilnehmerinnen zu Vivantes, bei denen wir sicher sind, dass sie die Ausbildung schaffen können und die das wirklich machen wollen. Da haben wir die Verantwortung sowohl den Unternehmen als auch den Teilnehmerinnen gegenüber.“ Gerade die Arbeitsbedingungen im Gesundheits- und Pflegebereich, in dem Schichtdienst die Regel ist, stellen für viele Mütter eine Herausforderung dar. Der IBBC informiert die Teilnehmerinnen rechtzeitig und hilft beispielsweise bei der Suche nach Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Auch während der Probezeit können die Mütter auf die Unterstützungsangebote zurückkommen. Für dieses Angebot ist Ulrich Söding sehr dankbar: „Einrichtungen wie das IBBC haben hier bei den Frauen einen Vertrauensbonus. Für die Teilnehmerinnen ist es sehr wichtig, die Möglichkeit zu haben mit einer bekannten Person sprechen zu können, falls es in den ersten Monaten zu Problemen kommen sollte.“