Vielfalt nutzen - Think outside the box

Im Interview berichten Melanie Müller, Head of Human Resources/ Leiterin der Personalabteilung, und Claire Thorneycroft, Head of International Sales/ Leiterin der Abteilung für den internationalen Vertrieb, warum sich Diversität für ihr Unternehmen lohnt und wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gelingen kann.

Eine heterogene Mitarbeiterschaft bedeutet für die Gerhard Rösch GmbH aus Tübingen vor allem eins: keinen Stillstand. Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für das Familienunternehmen selbstverständlich. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen unter-schiedliche Sprachen und Kulturen im Arbeitsalltag ein und  stärken so die Innovationskraft des Unternehmens.

Was bedeutet Diversität bei Ihnen?

melanie müller:

Ein Unternehmen spiegelt die Lebenswirklichkeit der Region wider – das ist unser Selbstverständnis. Das heißt für uns, dass wir Männer, Frauen und jegliche Altersgruppen bei uns beschäftigen möchten – unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem familiären Hintergrund. Und dafür müssen wir die Rahmenbedingungen schaffen. 

Unser Leitspruch in der Personalabteilung lautet „Think outside the box“. Wir beschäftigen gerne Menschen, die auch mal quer denken und Dinge in Frage stellen. Wir möchten eine Kultur schaffen, in der wir uns kontinuierlich hinterfragen, um noch besser zu werden. Je vielfältiger wir Menschen sind, umso vielfältiger sind auch die Stärken und Ideen, die wir einbringen. 

Wie schaffen Sie eine Unternehmenskultur, in der sich alle willkommen fühlen - und so gerne ihre Stärken einbringen?

melanie müller:

Das gelingt über ganz kleine Dinge, die jedes Unternehmen schnell im Alltag übernehmen kann: Wir achten darauf, dass in unserer Betriebskantine, aber auch auf Betriebsfeiern alle Essensvorlieben mitgedacht werden. Schweinefleisch gibt es beispielsweise immer nur als Option oder wir verzichten ganz darauf. Wir versuchen auch in der Planung von Urlaubstagen und Pausenzeiten auf Fastenzeiten oder Feiertage Rücksicht zu nehmen. Und in unserem Kindergarten wird auf die Vermittlung von Werten gesetzt, nicht aber auf eine spezielle religiöse Bildung.

claire thorneycroft:

Ich bin selbst Französin und habe vor 16 Jahren bei der Gerhard Rösch GmbH angefangen. Von Beginn an habe ich die Offenheit in der Mitarbeiterschaft sehr geschätzt. Meine Kolleginnen und Kollegen haben beispielsweise langsamer mit mir gesprochen, damit ich alles verstehe. So wurde mein angewandtes Deutsch mit der Zeit immer besser. Generell habe ich aber gelernt, mich selbst nicht allzu ernst zu nehmen, wenn es um Sprache geht. Denn relevant ist vor allem der Inhalt, den ich transportiere. Und das geht zur Not auch auf Englisch oder Französisch. Mein Tipp ist, immer selbst offen gegenüber anderen zu sein. Denn wenn ich ganz unbeschwert auf meine Kolleginnen und Kollegen zugehe, zeigen sie sich auch mir gegenüber verständnisvoll.

Wir arbeiten in unserem Team mit internationalen Kunden zusammen. Dementsprechend ist unser Sales-Team aufgestellt. Meine Kolleginnen kommen unter anderem aus Russland, England und Frankreich. Genau diese Zusammensetzung macht uns stark. Wir wissen genau, welche kulturellen Aspekte bei den Verhandlungen zu beachten sind. Die Bedürfnisse unserer Kunden können wir gut einschätzen. Auch unsere Mehrsprachigkeit bringt uns oft weiter, wenn es um die Zusammenarbeit mit Partnern aus dem Ausland geht. 

Wie gelingt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

melanie müller:

Wir sind ein Familienunternehmen und das bedeutet, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch bei der Geschäftsführung schon immer ein Thema war. Dieses Selbstverständnis macht es für mich als Personalverantwortliche einfach. Denn viele gute Maßnahmen für Familienfreundlichkeit, die wir als Personaler normalerweise anstoßen, bestehen hier schon: Wir haben eine Betriebs-Kita, Schulferienbetreuung, Teilzeitmodelle für Eltern oder – wenn es sich anbietet – auch die Möglichkeit des Jobsharing.

In einem Jobsharing-Modell teilen sich zwei Personen eine Stelle, die regulär von einer Person ausgefüllt wird. Die Vollzeitstelle wird zumeist in zwei Teilzeitstellen geteilt.
Jobsharing hat vor allem dann Sinn, wenn die Arbeitszeiten konstant sind – beispielsweise in der Verwaltung.

claire thorneycroft:

Mir hat während meiner Elternzeit besonders gefallen, dass ich mich weiterhin über die Entwicklungen im Unternehmen informieren konnte. Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird freigestellt, das Intranet auch zu Hause aufrufen oder auf Wunsch das E-Mail-Postfach weiter einsehen zu können. Das hat mir meinen Wiedereinstieg enorm erleichtert. Seit ich Mutter bin, merke ich, dass ich viel effizienter arbeite. Ich versuche meine Arbeitsabläufe zu optimieren, um mehr Zeit mit meiner Familie verbringen zu können.

melanie müller:

Nahezu alle unsere Mütter und Väter kommen nach ihrer Elternzeit wieder zurück ins Unternehmen – das rechnet sich für uns, denn wir müssen kaum neue Mitarbeiter einarbeiten, was immer zusätzlichen Aufwand verursacht. Neben dem Zugang zum Intranet bieten wir auch Patenschaften während der Elternzeit für unsere Eltern an. Patinnen und Paten informieren regelmäßig über Entwicklungen bei uns. 

Durch unser Betreuungsangebot haben wir dafür gesorgt, dass bei uns arbeitende Eltern auch in Ferienzeiten, wenn die Kita oder Schule beispielsweise geschlossen sind, ihre Kinder gut betreut wissen. So schaffen wir für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter langfristig ein attraktives Arbeitsumfeld.

Die Studie „Betriebswirtschaftliche Effekte familienfreundlicher Maßnahmen – Kosten-Nutzen-Analyse“ zeigt, dass sich diese rechnen: Familienfreundliche Arbeitszeitstrukturen haben einen positiven Einfluss auf die Mitarbeiterfluktuation, Fehlzeiten sowie Produktivität. Auch familienfreundliche Strukturen in Kommunen – wie ein gutes Betreuungsangebot – machen diese attraktiv für junge Familien.

Die Gerhard Rösch GmbH produziert technische Textilien für die Automobilindustrie und Medizintechnik unter der Marke rökona sowie Bade-, Strand-, Freizeitkleidung, Tag- und Nachtwäsche für die Eigenmarken RÖSCH und die Lizenzmarke FÉRAUD Paris.

 

Weitere Infos zum Thema:

Das Checkheft familienorientierte Personalpolitik für kleinere und mittlere Unternehmen ist ein Handbuch zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie mit zahlreichen Tipps und praxisnahen Beispielen speziell aus der Perspektive kleiner und mittlerer Unternehmen.

Der neue Programmflyer für das Förderprogramm „Betriebliche Kinderbetreuung“ gibt einen kurzen Überblick über die wichtigsten Informationen zum Förderprogramm und eignet sich beispielsweise, um Partnerschaften mit Unternehmen oder Trägern von Kindertageseinrichtungen zu initiieren.