Interview mit Alexander Gunkel (BDA)

„Die Vielfalt der Talente ist eine große Chance“

Foto: BDA

Alexander Gunkel ist Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und setzt sich als Botschafter für „Stark im Beruf“ ein.

 

 

 

 

 

Die Unternehmen beschäftigt der zunehmende Fachkräftemangel, der schon heute im MINT-Sektor (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) oder in der Pflege deutlich zu spüren ist. Bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter voraussichtlich um etwa sechs Millionen sinken – Fachkräfte-Engpässe werden in Zukunft also vermehrt auftreten. Infolgedessen ist die Wirtschaft darauf angewiesen noch stärker Potenziale zu nutzen, die bislang nicht ganz so sehr im Blickfeld der Personalverantwortlichen lagen. Die BDA setzt sich deshalb dafür ein, dass wir Menschen mit Migrationshintergrund als Chance für die Wirtschaft begreifen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass viele Mütter mit Migrationshintergrund ganz besondere Stärken mitbringen. Sie verfügen oftmals über sprachliche und interkulturelle Kompetenzen die in einer globalisierten Wirtschaft sehr wichtig sind. Durch ihren eigenen kulturellen Hintergrund bringen die Frauen neue Perspektiven ein, die dabei helfen können neue Produkte zu entwickeln, neue Märkte zu erschließen und so die Innovationskraft zu steigern. Mütter sind oft hervorragend im Zeitmanagement und arbeiten sehr effizient, weil sie es gewohnt sind, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren.

Als Spitzenverband machen wir uns zum einen auf politischer Ebene dafür stark, dass die Rahmenbedingungen stimmen, damit Familie und Beruf miteinander vereinbart werden können. Zum anderen befördern wir innerhalb der Wirtschaft einen Paradigmenwechsel, damit familienbewusste Personalpolitik noch mehr als Erfolgsfaktor gesehen wird. Auch abseits der gesetzlichen Regelungen setzen Unternehmen bereits viele Maßnahmen um, welche die Bedürfnisse der Eltern und die betrieblichen Notwendigkeiten in Einklang bringen. Ein ganz wichtiger Punkt ist hier die Unterstützung bei der Kinderbetreuung, zum Beispiel durch Belegplätze in der Kita vor Ort oder Ferienbetreuung. Der weitere Aufbau von bedarfsgerechten, bezahlbaren und hochwertigen Ganztagsbetreuungsplätzen und Ganztagsschulen muss unbedingt weiter voran gehen – hier ist die Politik in der Pflicht.

Soweit Deutschkenntnisse fehlen, müssen diese zeitnah nachgeholt werden. Außerdem gilt es, sich bestehender kultureller Unterschiede bewusst zu sein und sich darauf einzustellen. Bisweilen vorhandenen Vorurteilen sollte durch eine entsprechende Unternehmenskultur entgegengewirkt werden. Unternehmen können hier sehr gut von Good-Practice-Beispielen anderer Unternehmen lernen, die bereits auf positive Erfahrungen zurückblicken können.

Ich sehe mich als Multiplikator und sorge deshalb dafür, das Programm bei den Arbeitgebern und Arbeitgeberverbänden bekannt zu machen und für seine Vorteile zu werben. Das fällt mir auch sehr leicht, weil ich fest davon überzeugt bin, dass es sich für die Betriebe lohnt, das bislang noch nicht ausgeschöpfte Potenzial von Müttern mit Migrationshintergrund zu nutzen.