Das Anerkennungsverfahren

Herausforderungen, Erfolgsfaktoren und Kooperation

Für Mütter mit Migrationshintergrund ist die Anerkennung ihrer im Ausland erworbenen Abschlüsse ein wichtiger Meilenstein, um beruflich durchzustarten. Denn die Anerkennung beruflicher Abschlüsse ist häufig der Schlüssel zum Einstieg in den Arbeitsmarkt und zu herausfordernden Tätigkeiten mit einer entsprechend höheren Vergütung. Frauen sehen in ihr auch persönliche Wertschätzung, die das Vertrauen in die eigenen Kompetenzen stärkt.

Das Anerkennungsverfahren ist komplex und kann für die Antragstellerin teilweise ein langwieriger und teurer Prozess werden. Mütter mit Migrationshintergrund können diesen Weg mit Unterstützung und Beratung erfolgreich abschließen. Bei einem Workshop im Rahmen des Programms „Stark im Beruf“ diskutierten Projektleiterinnen, Vertreterinnen und Vertreter des Förderprogramms Integration durch Qualifikation (IQ-Netzwerk) sowie ein Unternehmensvertreter Herausforderungen und Erfolgsfaktoren des Anerkennungsprozesses und erarbeiteten Wege der Zusammenarbeit. Die Ergebnisse des Workshops bieten Beraterinnen und Beratern aus Projekten und der Arbeitsverwaltung sowie Personalverantwortlichen aus Unternehmen einen Überblick über die wichtigsten Fragen zum Verfahren.

Wie die Anerkennung von Abschlüssen funktioniert, wird in der "Expertise zu Finanzierungsmöglichkeiten der Anerkennung von Qualifikationen and Anpassungsmaßnahmen" erklärt.

Bei reglementierten Berufen, wie z. B. Lehrerinnen und Lehrern, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen oder Krankenpflegerinnen und Krankenpflegern, ist die Ausübung der beruflichen Tätigkeit an eine Genehmigung gebunden. Die erfolgreiche Anerkennung ist hier also Vorrausetzung für eine Beschäftigung.

Bei nichtreglementierten Ausbildungsberufen und Hochschulabschlüssen ist es nicht zwingend erforderlich, den im Ausland erworbenen Abschluss anerkennen zu lassen, um einer beruflichen Tätigkeit nachgehen zu können. Allerdings haben viele Unternehmen wenig Erfahrung mit nichtdeutschen Abschlüssen. Auf dem Arbeitsmarkt kann ein anerkannter Abschluss daher ein entscheidender Vorteil sein.

Informationen zu reglementierten und nicht reglementierten Berufen finden Sie in der „Expertise zu Finanzierungsmöglichkeiten der Anerkennung von Qualifikationen und Anpassungsmaßnahmen“.

Die Anerkennung von beruflichen Abschlüssen ist ein komplexes Verfahren, das wesentlich von formalen Bildungsabschlüssen, Berufserfahrung, Sprachkenntnissen und Vollständigkeit der Dokumente abhängt. Nach der Feststellung des deutschen Referenzberufes verläuft der Prozesse je nach Zielberuf unterschiedlich:

  •  Reglementierte Berufe: Zu dieser Kategorie zählen v.a. Berufe im Gesundheits- und Bildungssektor wie Ärzte und Ärztinnen, Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen sowie Lehrer und Lehrerinnen. In der Regel wird hier in einer Einzelfallprüfung die Gleichwertigkeit des im Ausland erworbenen Abschlusses geprüft, wobei auch Berufserfahrung oder Weiterbildungen einbezogen werden. Wird die Gleichwertigkeit festgestellt, ist das Verfahren mit positivem Ausgang beendet. Anderenfalls kann die Anerkennungsstelle die Teilnahme an Ausgleichsmaßnahmen (Nachqualifizierung) einfordern. In einigen Berufen gibt es Ausnahmen bei Abschlüssen, die in der EU erworben wurden. Diese werden automatisch anerkannt.
  • Nichtreglementierte Ausbildungsberufe: Die Gleichwertigkeit von Berufsabschlüssen in dieser Kategorie überprüft die Antragsstelle immer im Einzelfall. Auch für Abschlüsse, die in der EU erworben wurden, gibt es hier keine Ausnahme. Für einen positiven Abschluss muss die Antragstellerin hier unbedingt Berufserfahrung nachweisen.
  • Nichtreglemtierte Hochschulabschlüsse: Die meisten Hochschulabschlüsse zählen zur Kategorie der nichtreglementierten Abschlüsse. Das Verfahren läuft hier über die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB). Die ZAB prüft allerdings nicht die Gleichwertigkeit der Abschlüsse, sondern sie prüft, ob der Abschluss an einer zertifizierten Hochschule erworben wurde.

 Weitere Informationen zum Anerkennungsverfahren finden Sie in der "Expertise zu Finanzierungsmöglichkeiten der Anerkennung von Qualifikationen und Anpassungsmaßnahmen"  

Ob das Anerkennungsverfahren erfolgreich verläuft, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Besonders entscheidend ist das persönliche Umfeld der Frauen: Erhalten die Mütter Unterstützung von ihren Ehemännern und ihrer Familie, haben sie mehr Mut den oft langwierigen Prozess durchzustehen. Insbesondere wenn die Frauen eine Maßnahme zur Anpassungsqualifikation besuchen müssen, sind sie bei der Kinderbetreuung auf Unterstützung angewiesen. Bei berufstätigen Müttern sind auch flexible Arbeitszeiten wichtig, damit sie die entsprechenden Kurse besuchen können.

Wichtig sind auch Informationsmöglichkeiten über die Anerkennung von Abschlüssen. Diese bieten die Beratungsstellen des IQ-Netzwerks.

Ein entscheidender Faktor ist auch die finanzielle Förderung der Anerkennung. Diese können Beraterinnen und Berater der Stark-im-Beruf-Projekte durch eine gute Kooperation mit dem Jobcenter/Arbeitsamt sowie dem IQ-Netzwerk erreichen.

Ob eine finanzielle Förderung für den Anerkennungsprozess gegeben ist oder nicht, entscheidet bei vielen Müttern über die Möglichkeit, die Anerkennung von Qualifizierungen zu beantragen. Daher gilt es als ersten Schritt die Finanzierung zu klären. Den Antrag auf Kostenübernahme können die Frauen bei Arbeitsagenturen oder Jobcentern stellen und zwar schon im Vorfeld des eigentlichen Verfahrens. Dazu müssen die Antragsstellerinnen alle anfallenden Kosten (z.B. Verfahrensgebühr, Kosten für Übersetzungen, Beglaubigungen, Sprachzertifikate) auflisten. Dabei können sie auch von den Beraterinnen und Beratern der Stark-im-Beruf-Projekte Unterstützung erhalten.

Bei der Beantragung der Kostenübernahme sollte vor allem mit den Vorteilen argumentiert werden, die eine Anerkennung des beruflichen Abschlusses den Müttern auf dem Arbeitsmarkt einbringt. Lehnt das Jobcenter oder die Arbeitsagentur den mündlich gestellten Antrag ab, sollte dieser in jedem Fall nochmals schriftlich eingereicht werden. Die Chancen für eine Übernahme der Kosten stehen in der Regel gut.

Lehnt die Arbeitsverwaltung auch den schriftlichen Antrag auf Kostenübernahme für das Anerkennungsverfahren ab, können Mütter in Hamburg und Baden-Württemberg an einem Stipendienprogramm teilnehmen. Bei bereits berufstätigen Frauen lohnt es sich auch, beim Unternehmen nachzufragen, ob es bereit wäre, die Kosten teilweise zu übernehmen.

Tipps zur Finanzierung von Anerkennungsprozessen finden Sie in der „Expertise zu Finanzierungsmöglichkeiten der Anerkennung von Qualifikationen und Anpassungsmaßnahmen“. 

Die Anerkennungsberatung wird durch das IQ-Netzwerk übernommen. Hierbei handelt es sich meist um eine punktuelle Beratung zur Antragsstellung. Dabei gilt es zunächst, die zuständige Antragsstelle zu ermitteln und die finanzielle Förderung zu klären. Die Antragstellerin muss nun alle Nachweise, Übersetzungen, Beglaubigungen und ggf. auch Sprachnachweise bündeln und kann diese bei der Antragsstelle einreichen. Welche Unterlagen benötigt werden, wird mit dem IQ-Netzwerk geklärt.

Erteilt die Antragsstelle bei reglementierten Berufen nur eine Teilanerkennung, können die Frauen durch die Teilnahme an Qualifikationsmaßnahmen die volle Anerkennung erreichen. Bei der Suche nach passenden Angeboten werden sie durch die Stark-im-Beruf-Projekte sowie das IQ-Netzwerk unterstützt.

Da die Beraterinnen und Berater aus den Stark-im-Beruf-Projekten ihre Teilnehmerinnen gut kennen und ein vertrauensvolles Verhältnis pflegen, können sie die Frauen ermutigen, ihre Qualifikationen anerkennen zu lassen und sie im Anerkennungsprozess begleiten. Dazu zählt die Unterstützung bei der Zusammenstellung aller erforderlichen Dokumente, aber auch bei der Kommunikation mit beteiligten Akteuren im Verfahren.

Da das Anerkennungsverfahren sehr komplex ist, sollten Beraterinnen und Berater der Stark-im-Beruf-Projekte mit den Expertinnen und Experten des IQ-Netzwerkes kooperieren, um die Programmteilnehmerinnen bestmöglich auf Ihrem Weg zur Anerkennung zu unterstützen. Anerkennungsberaterinnen und –berater unterstützten die Projektvertreterinnen – und vertreter gerne und geben Informationen zum Anerkennungsverfahren weiter. Hierzu zählen beispielsweise Informationen zur Aushandlung von Finanzierungsmöglichkeiten mit der Arbeitsverwaltung.

Viele Projekte haben gute Erfahrungen damit gemacht, sich bei Anerkennungsberatungsstellen des IQ-Netzwerks vorzustellen. Ist der Kontakt geknüpft, können Fragen oft schon per Telefon beantwortet werden. Zum Auftakt der Zusammenarbeit haben einige Projekte persönliche Treffen initiiert, beispielsweise eine gemeinsame Fachtagung oder einen informellen Austausch.

Die Beratungsstellen des IQ-Netzwerkes sind in 16 Landesnetzwerken organisiert und so bundesweit vor Ort. Auf der Website des IQ-Netzwerkes kann nach einer passenden Beratungsstelle gesucht werden.

Unternehmen profitieren maßgeblich von der erfolgreichen Anerkennung eines Berufsabschlusses einer Mitarbeiterin. Zum einen erleichtert die Transparenz über Fähigkeiten die Personalverantwortlichen bei der Personalplanung. Zum anderen trägt die Anerkennung auch wesentlich zur Zufriedenheit der Mitarbeiterin bei und stärkt die Identifikation mit dem Unternehmen. Das führt zu einer besseren Leistung und verringert die Fluktuation.

Für (potenzielle) Mitarbeiterinnen ist es sehr wichtig, die Qualifikationsanforderungen für eine Stelle zu kennen. Unternehmen sollten diese daher transparent kommunizieren.

Liegt keine anerkannte Qualifikation vor, kann die Unterstützung im Anerkennungserfahren durch den Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin für den Erfolg des Verfahrens entscheidend sein. Unternehmen können dabei nicht nur durch eine Beteiligung an den Kosten helfen, sondern auch, indem sie die Mitarbeiterinnen über die Möglichkeit der Anerkennung informieren und sie an Beratungsstellen verweisen. Die Freistellung für Anpassungsqualifikationen und Sprachkurse ist ebenfalls hilfreich.